Schwangere Frauen können ein Lied davon singen: Mit wachsendem Bauch wird alles anstrengender. Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören zur Tagesordnung, und wenn nicht gerade die Übelkeit zuschlägt, steigert sich der Appetit. Die Redensart, in der Schwangerschaft müsse man für zwei essen, trifft zwar nur teilweise zu. Denn natürlich liegt der Energiebedarf des Embryos weit unter dem der Mutter. Doch in der Schwangerschaft braucht der Körper mehr zusätzliche Energie als er allein für die Versorgung des Nachwuchses benötigt. Denn der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, Gewebe wie die Plazenta müssen aufgebaut werden und zudem bedeutet das zusätzliche Gewicht eine Belastung.
Hohe indirekte Kosten
Doch wie viel zusätzliche Energie fällt tatsächlich an? „Die Fortpflanzung ist energetisch kostspielig, aber diese Kosten wurden bisher nur unzureichend quantifiziert“, schreibt ein Team um Samuel Ginther von der Monash University in Australien. „Die direkten Kosten sind gut erforscht, aber die indirekten Kosten bleiben unbekannt.“ Viele frühere Studien gingen davon aus, dass die indirekten Kosten nur einen unbedeutenden Teil ausmachen, während die meiste Energie direkt für die Versorgung des Embryos anfällt.
Ginther und sein Team haben nun für 81 Tiere – vom Rädertierchen bis zum Menschen – Daten zusammengetragen, anhand derer sie die metabolischen Kosten der Fortpflanzung abschätzen konnten. Dabei berücksichtigten sie die schwangerschaftsbedingten Veränderungen der Stoffwechselprozesse sowie die Dauer der Tragzeit. „Unsere Daten zeigen, dass bei den meisten Tieren mehr als die Hälfte der in die Fortpflanzung investierten Energie für indirekte Kosten anfällt“, berichten sie.
Säugetiere investieren am meisten
Am höchsten sind die Stoffwechselkosten für Säugetiere. „Die direkt in den Nachwuchs gesteckte Energie macht bei Säugetieren nur durchschnittlich zehn Prozent der gesamten Energiekosten aus, während die indirekten Kosten neunmal höher liegen“, berichtet das Team. Bei uns Menschen machen die indirekten Kosten sogar 96 Prozent aus, unter anderem durch die vergleichsweise lange Schwangerschaft. „Damit hat der Mensch eine der höchsten Stoffwechselbelastungen bei der Fortpflanzung“, so die Forschenden. Das Säugetier mit den niedrigsten indirekten Kosten ist eine in Nordamerika verbreitete Fledermaus (Myotis lucifugus), die rund 75 Prozent der gesamten für die Fortpflanzung verwendeten Energie für Stoffwechselprozesse braucht.
Weniger indirekte Kosten haben wechselwarme Tiere. Eierlegende Arten wie zahlreiche Fische, Amphibien und Reptilien stecken durchschnittlich rund zwei Drittel der Energie direkt in den Nachwuchs. Bei lebendgebärenden Wechselwarmen wie beispielsweise zahlreichen Haiarten machen die indirekten Kosten durchschnittlich 55 Prozent der eingesetzten Gesamtenergie aus. Für Vögel lagen den Forschenden zu wenige Daten vor, um zuverlässige Aussagen treffen zu können. Die verfügbaren Daten legen jedoch nahe, dass sie sich ungefähr auf einem Niveau mit lebendgebärenden wechselwarmen Tieren befinden könnten. Nicht mitgerechnet sind dabei die Kosten nach der Geburt, wenn Säugetiermütter Milch für ihren Nachwuchs produzieren und Vogeleltern eifrig Futter heranschaffen.





