Falschinformationen im Gesundheitsbereich können gravierende Auswirkungen haben. Im schlechtesten Fall führen sie dazu, dass sich Menschen gegen eine wirksame Therapie entscheiden, wichtige Impfungen ausschlagen oder auf dubiose Heilungsversprechen hereinfallen, die mehr schaden als nützen. Viele Gesundheitsinstitutionen sowie unabhängige Faktencheck-Organisationen setzen deshalb darauf, irreführende Behauptungen zu widerlegen. Doch auch dieses Vorgehen birgt Risiken. Denn wenn dabei die falsche Aussage wiederholt wird, kann das ihre Verbreitung sogar fördern und dafür sorgen, dass Menschen die Behauptung als vertraut im Hinterkopf behalten, die Widerlegung jedoch vergessen.
Mentales Modell gegen Falschinfos
Ein Team um Kathleen Hall Jamieson von der University of Pennsylvania in Philadelphia hat deshalb einen alternativen Weg ausgetestet. Dabei fokussierten sich die Forschenden auf die Falschbehauptung, dass die in mRNA-Impfungen enthaltenen winzigen DNA-Fragmente das menschliche Genom verändern könnten. „Im Gegensatz zu üblichen Faktenchecks haben wir diese Behauptung bei unseren Interventionen jedoch nicht wiederholt“, erklären die Forschenden. Stattdessen stellten sie ihren Testpersonen didaktisch aufbereitete Informationen dazu bereit, wie die mRNA-Impfung wirkt oder – in einem zweiten Versuch – wie sich unser Körper gegen fremde DNA schützt.
Der Gedanke dahinter: Wenn wir Wissen erwerben, entsteht in unserem Kopf ein mentales Modell. „Menschen erstellen mentale Modelle, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert“, erklärt Jamieson. Kommen neue Informationen hinzu, gleichen wir diese mit unseren mentalen Modellen ab und entscheiden auf dieser Basis, ob die neuen Informationen plausibel sind. Das textliche und visuelle Infomaterial, das das Forschungsteam den Freiwilligen zur Verfügung stellte, unterstützte sie dabei, ein solches mentales Modell aufzubauen und ein tieferes Verständnis für die Wirkweise von mRNA-Impfungen oder die Schutzmechanismen unseres Körpers zu entwickeln.
Mit Wissen gewappnet
Und tatsächlich: Konfrontierten die Forschenden ihre Probenden anschließend mit der irreführenden Behauptung, DNA-Fragmente in den Impfstoffen könnten unsere DNA verändern, fielen diejenigen, die sich zuvor informiert hatten, deutlich seltener darauf herein. Dieser Effekt zeigte sich der Studie zufolge sogar noch zwei Monate nach der Intervention. Auch wenn die Testpersonen das Infomaterial erst bekamen, nachdem sie bereits auf die Falschaussage gestoßen waren, half ihnen das neu erworbene Wissen dabei, die Falschaussage als solche zu entlarven – auch wenn sich der präventive Ansatz als etwas effektiver erwies.
„Diese Experimente deuten auf einen vielversprechenden Ansatz hin, um einige der Herausforderungen zu überwinden, denen die üblichen Methoden Faktenprüfung gegenüberstehen“, sagt Jamieson. Aus Sicht der Forschenden gibt es in der Praxis zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: „Solche Modelle können in einer Live-Debatte ebenso eingeführt werden wie in Bildungseinrichtungen oder klinischen Settings, lange vor der Verbreitung von Missverständnissen“, schreiben sie. Beispielsweise könnten sich Kinder und Jugendliche bereits im naturwissenschaftlichen Unterricht in der Schule mit der Wirkungsweise von Impfungen auseinandersetzen, sodass sie ein solides Grundlagenwissen entwickeln, das sie gegen zukünftige Falschinformationen wappnet.





