Proteine sind die wichtigsten Werkzeuge unserer Zellen. Sie steuern den Zellstoffwechsel, kontrollieren biochemische Reaktionen, dienen als Botenstoffe und bilden die Basis für lebenswichtige Funktionen unseres Körpers. Ob ein Protein seine Funktion ausüben kann, hängt dabei auch von seiner dreidimensionalen Struktur ab. Diese wiederum wird durch eine dichte Hülle aus Wassermolekülen geprägt und stabilisiert. „Das Leben ist abhängig von Proteinen und Proteine brauchen das Wasser“, erklären Farzad Hamdi von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und seine Kollegen.
Einem Protein auf die Wassermoleküle geschaut
Umso erstaunlicher ist es, dass eine entscheidende Frage zur Wasserhülle der Proteine seit 50 Jahren unbeantwortet geblieben ist: Was passiert mit der wässrigen Schutzhülle der Proteine, wenn diese einem saurem Milieu ausgesetzt sind? „Bereits 1974 hatten Irwin Kuntz und Walter Kauzmann theoretisch vorhergesagt, dass ein sinkender pH-Wert, also eine zunehmende Ansäuerung, die Wasserhülle von Proteinen verändert. Allerdings fehlte bis jetzt der direkte Nachweis für diese Hypothese“, erklärt Hamdis Kollege Panagiotis Kastritis.
Mithilfe der hochauflösenden Kryo-Elektronenmikroskopie ist es dem Team nun erstmals gelungen, diesen säurebedingten Wasserverlust bei einem Protein bis auf die Ebene einzelner Wassermoleküle mitzuverfolgen. Das Protein Apoferritin diente dabei als Testobjekt. Dieses ähnelt einer Hohlkugel aus Proteinketten und dient in unseren Zellen als Eisenspeicher. An verschiedenen Stellen des Proteins können sich einzelne Eisenatome anlagern und über Komplexverbindungen gespeichert werden.
Für ihr Experiment setzten Hamdi und seine Kollegen diese Proteine sieben unterschiedlichen pH-Werten aus, von leicht basisch bis stark sauer (pH 3,5), froren sie durch Schockgefrieren ein und untersuchten die molekulare Konfiguration im Elektronenmikroskop. Ergänzt wurden die Experimente durch Computersimulationen, die das beobachtete Verhalten erklären.

Diese Grafik fasst die bei sinkenden pH-Wert beobachteten Veränderungen am Apoferritin-Protein und seiner Wasserhülle zusammen. © Hamdi et al./ PNAS, CC-by 4.0





