Bereits 1997 ergab eine Befragung des Bundesumweltministeriums, dass mehr als 90 Prozent der Bundesbehörden den Umweltschutz beim Einkauf berücksichtigen, nun wurde Ihre Projektgruppe ins Leben gerufen. Heißt das, dass doch noch einiges besser werden kann beim öffentlichen Einkauf?
Diese Studie ist hier nicht bekannt. Dass Bundesbehörden den Umweltschutz beim Einkauf besonders beachten, können unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen. Dennoch meinen wir, dass insbesondere angesichts des schnellen technischen Fortschritts Verbesserungen möglich und notwendig sind Da der Umfang der Beschaffungen auf Landes- und Kommunalebene den auf Bundesebene nicht unwesentlich übertrifft sind vor allem erstere in unserem Fokus.
Wer kann sich alles an Sie wenden?
Personen, die verantwortlich im öffentlichen Auftrag einen Bedarf ermitteln und einkaufen.
Wie viele Anfragen bekommen Sie pro Tag, von wem kommen die meisten?
Zurzeit haben wir nur vereinzelte Anfragen. Unser Schwerpunkt liegt momentan mehr auf dem Aufbau und Betrieb einer online-Informationsplattform. Sie soll für die öffentlichen Auftraggeber als zentrales Eingangsportal dienen und alle Informationen enthalten, die sie bei der nachhaltigen Beschaffung unterstützen, unter anderem Praxisbeispiele, Leitfäden und Handlungshilfen. Auf Grund der unterschiedlichen vergaberechtlichen Regelungen sollen die Bundesländer die Möglichkeit erhalten, eine eigene Seite mit Ihren Informationen zum Thema bereitzustellen. Weiterhin werden auf die jetzt schon bekannten Seiten zum Thema der nachhaltigen Beschaffung wie zum Beispiel die Seiten des Umweltbundesamtes oder des Kompass-Nachhaltigkeit verweisen. In einem weiteren Schritt soll ein Diskussionsforum eingerichtet werden, das einen Gedankenaustausch der Zielgruppe ermöglicht und die Qualität und Quantität der nachhaltigen Beschaffung steigert. Dies wird auch für zusätzliche Bekanntheit sorgen und das Anfragevolumen erhöhen.
Schätzungen zufolge beträgt das Volumen öffentlicher Beschaffungen pro Jahr rund 160 bis 360 Mrd Euro.
Es wurden auch schon Schätzungen von weit über 400 Milliarden Euro genannt. Aber unabhängig von der Höhe machen die Zahlen deutlich, dass die öffentlichen Auftraggeber eine nicht unerhebliche Marktmacht besitzen die der politischen und gesellschaftlichen Forderung nach einer nachhaltigeren Beschaffung Nachdruck verleiht.
Die Beratungspalette umfasst vom nachhaltigen Bauen über die Anschaffung von Fahrzeugen und die Büroausstattung bis hin zur Arbeitskleidung der Mitarbeiter der Müllabfuhr. In welchem Bereich, würden Sie sagen, werden nachhaltige Kriterien bereits gut oder weitgehend berücksichtigt?
Nach unseren Erkenntnissen werden nachhaltige Kriterien insbesondere im Bereich der Energieeffizienz berücksichtigt. Dies schließt die Informations- und Kommunikationstechnik ebenso ein wie den Bereich der Beschaffung von Fahrzeugen.


natur: Es hat eine Weile gedauert bis ich auf der Suche nach den nachhaltigen Beschaffungsrichtlinien im öffentlichen Einkauf auf Ihre Seite gestoßen bin. Kennt man Sie in Bund, Ländern und Gemeinden überhaupt?


