Sie befallen Prothesen oder gelangen durch eine kleine Wunde in den Körper: Bakterien treten ihren Eroberungsfeldzug unbemerkt an. Schafft es der Körper nicht, ihnen Einhalt zu gebieten, können sie eine Sepsis auslösen – eine Art Amoklauf des Immunsystems, der nicht selten für den Infizierten tödlich endet. Die einzige Chance, dies zu verhindern: die bakteriellen Verursacher beseitigen, ehe der Amoklauf beginnt.
Doch wie die Übeltäter dingfest machen? Sehen kann man die meisten Infektionsherde nicht. Also muss ein Kontrastmittel her, dachte sich der Biomediziner Niren Murthy vom Georgia Institute of Technology und entwickelte ein cleveres Farbstoffsystem: Er koppelte ein farbig leuchtendes Molekül an einen speziellen Zucker, der bei Bakterien als Futter beliebt ist, von Körperzellen jedoch verschmäht wird. Schleust man diese Substanz in den Blutkreislauf eines Infizierten, reichert sich der Farbstoff in den Krankheitserregern an und lässt sie mit der Zeit leuchten. Ein großer Vorteil dieses Ansatzes ist laut Murthy: Weder Viren noch andere Entzündungsherde werden markiert – wenn etwas leuchtet, sind mit sehr hoher Sicherheit tatsächlich Bakterien vor Ort. In drei bis fünf Jahren könnte das System beim Menschen eingesetzt werden, schätzt Murthy.
Udo Reischl, Vorsitzender der Ständigen Arbeitsgemeinschaft Diagnostische Verfahren bei der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, sieht dagegen gleich mehrere Hindernisse. „Zum einen sind die krankmachenden Mikroben bei Weitem nicht die einzigen Bakterien im und am Körper – und die Farbstoffe machen keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Varianten”, gibt er zu bedenken: Bei Infektionsherden im Darm würde die gesamte Darmflora gefärbt. Zudem erlaubt das System nicht, zu bestimmen, um welche Krankheitserreger es sich handelt und ob diese resistent gegen bestimmte Antibiotika sind. Genau diese Informationen sind jedoch für eine frühzeitige effektive Behandlung unabdingbar. Schließlich gibt es noch ein technisches Problem: „Wie soll man bei einem Menschen Infektionen im Körperinneren mit diesen Farbstoffen sichtbar machen?”, fragt Reischl.
Mit dem aktuellen System lässt sich nur etwa einen Zentimeter unter die Haut blicken. Murthy arbeitet daran, statt des Farbstoffs eine Substanz an den Zucker zu heften, die bereits als Kontrastmittel bei bildgebenden Verfahren genutzt wird. Sollte das gelingen, könnte die Methode tatsächlich wertvolle Hilfestellung bei der Suche nach Infektionsherden leisten, glaubt Reischl – „aber sie ist sicher nicht der sensationelle Hammer-Durchbruch”.





