Wie lukrativ die Nutzung der Bodenschätze des arktischen Ozeans ist, zeigt der heftige Streit, der um die Hoheitsrechte dort geführt wird. Denn wem welche Teile dieser Region gehören, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Laut der Seerechtsverordnung der Vereinten Nationen können die fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers – Russland, Norwegen, Dänemark, Kanada und die USA – ihre 200 Meilen um die Küsten reichende „ausschließliche Wirtschaftszone” nach verschiedenen Kriterien weiter in den Ozean ausdehnen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die beanspruchten Regionen im Bereich des kontinentalen Festlandsockels liegen – der „natürlichen Fortsetzung der Landfläche des Küstenstaats”. Um seine Ansprüche zu begründen, muss ein Land einen entsprechenden Verlauf des Festlandsockels nachweisen – etwa durch seismische Messungen in den Meeressedimenten oder eine genaue Bestimmung des Tiefenprofils im Ozean.
Russland hat auf dieser rechtlichen Basis vorsorglich etwa die Hälfte des gesamten Polarmeers für sich reklamiert. Und Dänemark erklärte kurzerhand den Nordpol zu seinem Besitz. Der liegt über dem Lomonossow-Rücken – einem Gebirgszug im Meer, der sich vom Norden der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland bis nach Sibirien erstreckt. International anerkannt sind diese Gebietsansprüche bislang nicht. Vor einem Jahr eskalierte ein diplomatisches Scharmützel zwischen Dänemark und Kanada um die Hans-Insel. Das 1,3 Quadratkilometer winzige unbewohnte Eiland liegt in der Naresstraße zwischen Grönland und dem kanadischen Ellesmere Island. Es bietet zwar keinerlei Rohstoffe, ist aber strategisch wichtig für die Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Nordwestpassage. Inzwischen ist der Streit beigelegt. Im September 2005 einigten sich Dänen und Kanadier auf eine gemeinsame Verwaltung der Hans-Insel.





