Als die ESA-Raumsonde “Rosetta” erste Bilder ihres Ziels, des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko zur Erde schickte, war das Staunen groß. Denn der eisige Kometenkern war nicht einfach rund oder elliptisch geformt, sondern bestand aus zwei Teilen. Ein größerer “Körper” war über einen dünnen “Hals” mit einem kleineren “Kopf” verbunden. Zusammen ähnelte das Ganze verblüffend einer überdimensionierten Gummiente. Spätere Messdaten von “Rosetta” und ihrer Landesonde “Philae” enthüllten, dass der Kometenkern im Inneren überraschend porös und von unzähligen Hohlräumen durchsetzt ist. Zudem ist der Komet ähnlich wie eine Zwiebel aus mehreren Schichten aufgebaut.
Kometenkollision im Computer
Wie diese ungewöhnliche Form und Struktur jedoch zustande kamen, blieb zunächst unklar. Eine Möglichkeit wäre, dass Kopf und Körper des Kometen erst bei einer Kollision zusammenfanden. Dieser Zusammenprall zweier Kometenkerne müsste – so glaubte man – sehr sanft abgelaufen sein, damit die poröse Struktur und die Schichten erhalten blieben. Doch solche langsamen Kollisionen galten als typisch nur für die Frühzeit des Sonnensystems. Das aber erklärt nicht, wie der fragile und rissige “Hals” diese Jahrmilliarden unbeschadet überstanden haben soll, ohne zu brechen. Um diese Frage zu klären, haben Stephen Schwartz von der Universität der Côte d’Azur in Nizza und seine Kollegen nun untersucht, ob auch etwas heftigere Zusammenstöße Kometen wie “Chury” hervorbringen können. Dafür ließen sie in einer Computersimulation verschieden große Kometenkerne in unterschiedlichen Winkeln mit Geschwindigkeiten von 20 bis 3000 Meter pro Sekunde aufeinanderprallen.
“Wir waren überrascht, dass bei den gewaltigen Kollisionen offenbar nur ein geringer Teil des Materials beträchtlich komprimiert und erhitzt wird”, sagt Co-Autor Martin Jutzi von der Universität Bern. Dadurch überstand ein großer Teil der flüchtigen Komponenten die Kollision, ohne zu verdampfen. “Noch wichtiger aber: Der kleine Anteil des Materials, der stark erhitzt wird, wird mit hoher Geschwindigkeit ausgeschleudert und reakkumuliert daher nicht”, so die Forscher. Diese Trümmer haben daher keinen Anteil mehr an den Objekten, die sich aus den restlichen Trümmerteilen wieder zusammenfinden. Die Simulationen ergaben, dass nach der Kollision viele kleine Fragmente entstehen, die sich dann in den Stunden und Tagen nach der Kollision sanft zu größeren Ansammlungen zusammenfügen. Diese neuen Kometenteile haben ihre geringe Dichte und hohe Porosität trotz Kollision behalten, wie die Forscher berichten.





