Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich seit Anfang 2020 weltweit aus. Um die Übertragung des Virus einzudämmen, haben viele Länder politische Maßnahmen ergriffen, darunter Ausgangssperren, Geschäftsschließungen und Maskenpflicht. Zusätzlich zu diesen nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPIs) laufen die Forschungen für einen Impfstoff auf Hochtouren. Bisher ist jedoch kaum abzusehen, wie die Pandemie weiter verlaufen wird. Eine entscheidende Rolle wird dabei spielen, in welchem Maße eine überstandene Infektion oder eine Impfung Immunität gegen das Virus erzeugen. Im besten Fall würde eine einmalige Infektion oder eine Impfung lebenslange Immunität hinterlassen, im schlechtesten Fall würden Antikörper von vorherigen Sars-CoV-2-Infektionen den Verlauf einer erneuten Infektion sogar verschlimmern. Bisherige Studien deuten allerdings darauf hin, dass eine überstandene Coronavirus-Infektion einen gewissen Schutz vor zukünftigen Infektionen bietet, der aber möglicherweise nicht vollständig ist.
Modelle für die Immunität
Forscher um Chadi Saad-Roy von der Princeton University haben die verschiedenen Szenarien der Immunität nun mithilfe epidemiologischer Modelle nachvollzogen und von Beginn der Pandemie bis zu einer Zeit rund fünf Jahre in der Zukunft simuliert . Dabei nutzten sie einerseits das sogenannte SIR-Modell (Susceptible-Infected-Recovered), das von einer vollständigen Immunität ausgeht, und andererseits das sogenannte SIRS-Modell (Susceptible-Infected-Recovered-Susceptible), in dem genesene Personen nach einer gewissen Zeit wieder anfällig für das Virus werden. In diese Modelle integrierten sie zahlreiche weitere Faktoren, darunter saisonale Schwankungen, nicht-pharmazeutische Interventionen und die Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Außerdem untersuchten sie, wie Personen, die Masken, Impfungen und ähnliche Maßnahmen ablehnen, den Verlauf der Pandemie beeinflussen.
Wie erwartet zeigen die Modelle, dass der anfängliche Pandemie-Peak weitgehend unabhängig von der Immunität ist, da die meisten Menschen anfällig sind. Hier spielen NPIs wie Schutzmasken und Social Distancing eine besonders große Rolle. Wenn die Sars-CoV-2-Infektionen zunehmen – und damit die Immunität in der Bevölkerung – unterscheiden sich die Modelle jedoch erheblich, abhängig davon, welche Schutzwirkung überstandene Erkrankungen haben: „Wenn die Immunantworten nur schwach sind oder nur vorübergehend vor einer erneuten Infektion schützen, dann sind mittelfristig größere und häufigere Ausbrüche zu erwarten”, sagt Saad-Roys Kollegin Andrea Graham. Saad-Roy ergänzt: „Kurzfristig und während der Pandemiephase sind NPIs die entscheidende Determinante dafür, wie viele Fälle es gibt. Je weiter wird jedoch in die Zukunft blicken, desto wichtiger wird die Rolle der Immunität.“





