Geht es um Infektionskrankheiten, sind Männer oft deutlich härter getroffen als Frauen. Das zeigt sich auch abseits der sprichwörtlichen „Männergrippe“. Beispielsweise haben sie ein höheres Risiko, bei einer Covid-19-Infektion einen schweren Verlauf zu entwickeln und daran zu versterben. Frauen dagegen leiden wesentlich häufiger als Männer an Autoimmunkrankheiten. Das liegt daran, dass das weibliche Immunsystem anders reguliert ist als das männliche. Unter anderem sorgt ein erhöhter Spiegel des Botenstoffs Interferon 1 (IFN-1) dafür, dass Krankheitserreger besser abgewehrt werden können, aber auch die Wahrscheinlichkeit für Überreaktionen gegenüber körpereigenen Molekülen steigt.
Studie mit Trans-Männern
„Solche immunologischen Geschlechtsunterschiede sind auf genetische, hormonelle und verhaltensbedingte Faktoren zurückzuführen, deren relative Bedeutung jedoch nur teilweise bekannt ist“, erklärt ein Team um Tadepally Lakshmikanth vom Karolinska Institut in Schweden. Da sich diese Einflussfaktoren üblicherweise nur schwer voneinander trennen lassen, war es bislang schwierig, ihre Bedeutung einzeln zu untersuchen.
Doch Lakshmikanth und sein Team fanden eine Lösung für dieses Problem: Sie untersuchten 23 Trans-Männer, die mit zwei X-Chromosomen geboren worden waren und sich im Erwachsenenalter einer geschlechtsangleichenden Hormontherapie unterzogen. „Bei diesen Personen ändern sich die Hormonspiegel deutlich, aber die immunologischen Folgen waren bisher unbekannt“, so das Team. Im Rahmen der geschlechtsangleichenden Therapie erhielten die Teilnehmer alle zwölf Wochen eine Testosteronspritze. Vor Beginn der Behandlung sowie nach drei Monaten und einem Jahr entnahmen die Forschenden den Probanden Blutproben und analysierten diese auf Unterschiede bei den Immunzellen und -proteinen.
Testosteron beeinflusst Immun-Signalwege
Das Ergebnis: Bereits drei Monate nach Beginn der Testosteronbehandlung ähnelte das Immunsystem der Trans-Männer dem von Männern mit XY-Chromosomen. Obwohl weiterhin beide X-Chromosomen der Probanden Proteine produzierten, die die Ausschüttung von IFN-1 förderten, lag die Konzentration dieses Botenstoffs auf – typisch männlichem – niedrigem Niveau. Wie weitere Untersuchungen zeigten, sorgte der erhöhte Testosteronspiegel dafür, dass die Signalwege für die Ausschüttung von IFN-1 herunterreguliert wurden.
„Umgekehrt potenzierte das Testosteron die Reaktion von Monozyten, was zu einer erhöhten Produktion von Tumornekrosefaktor alpha, Interleukin-6 und Interleukin-15 führte“, berichtet das Team. Diese Immunbotenstoffe sind unter anderem an Entzündungsreaktionen beteiligt und liegen bei Männern üblicherweise in höherer Konzentration vor als bei Frauen. Durch einen Vergleich mit Blutproben von elf Frauen bestätigten die Forschenden zudem, dass diese Ergebnisse tatsächlich auf den Testosteronanstieg zurückzuführen sind und nicht indirekt auf einen verringerten Östrogenspiegel.





