Der Amazonas-Regenwald ist der größte tropische Wald der Erde und beeinflusst die globalen Kohlenstoff-, Wasser- und Energiekreisläufe. In seiner Biomasse sind rund 150 bis 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Doch einige Teile dieses Regenwalds haben sich in den letzten Jahrzehnten von einer CO2-Senke zu einer CO2-Quelle entwickelt. „Bei dieser Transformation spielen Dürren wahrscheinlich eine Schlüsselrolle“, erklärt ein Team um Marco Franco von der Universität São Paulo in Brasilien. Denn Trockenheit erhöht das Risiko für Waldbrände und schwächt die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber dem Klimawandel. In einigen Regionen des Amazonas-Beckens dauert die jährliche Trockenzeit inzwischen um fünf Wochen länger als noch im Jahr 1979.
Neben dem Klimawandel zählt die Rodung von Waldflächen zu den wichtigsten Ursachen für die zunehmende Austrocknung des Amazonasgebiets. „Die Entwaldung wirkt sich direkt auf die Mengen und räumlichen Muster der Niederschläge aus sowie auf die Fähigkeit des Waldes, CO2 zu binden“, erläutern Franco und seine Kollegen. „Die relativen Rollen der Entwaldung und des globalen Klimawandels und ihre Wechselwirkungen bei der Transformation des Amazonasgebiets sind allerdings nach wie vor kaum verstanden und müssen noch entflochten werden.“

Einfluss auf Niederschläge und Temperatur
Dieser Aufgabe hat sich Francos Forschungsteam nun angenommen. Für ihre Studie griffen die Forschenden auf Klimadaten und Satellitenaufnahmen des Amazonas-Beckens aus der Zeit zwischen 1985 und 2020 zurück. „In diesem Zeitraum verringerte sich die Bewaldung signifikant von 89,1 Prozent auf 78,7 Prozent“, berichtet das Team. Zugleich sanken die Niederschläge um 21 Millimeter pro Trockenzeit und die regionalen Maximaltemperaturen stiegen um zwei Grad Celsius. Auch die Konzentration der Treibhausgase Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre nahm zu. Mit Hilfe statistischer Modelle berechneten die Forschenden, welchen Anteil jeweils der Klimawandel und die Abholzung des Regenwaldes auf diese Entwicklungen hatten.
Das Ergebnis: „Während der Anstieg von Methan und Kohlendioxid in der Atmosphäre zu mehr als 99 Prozent auf die globalen Emissionen zurückzuführen ist, hat die Abholzung der Wälder die Oberflächentemperaturen erheblich erhöht und die Niederschläge während der Trockenzeit im Amazonasgebiet verringert“ berichten die Forschenden. „In den letzten 35 Jahren war die Entwaldung für etwa 74 Prozent des Niederschlagsrückgangs in der Trockenzeit verantwortlich sowie für 16,5 Prozent des Anstiegs der Temperatur.“ Die jeweils verbleibenden Anteile gehen auf den Klimawandel zurück. „Die Ergebnisse unterstreichen die entscheidende Rolle der Waldbedeckung bei der Aufrechterhaltung eines stabilen regionalen Wasserkreislaufs und der Abschwächung von Klimastress“, schreiben Franco und seine Kollegen.





