JEDER ZWEITE, der an Krebs erkrankt, stirbt daran. Das ist eine schreckliche Botschaft. Doch nur auf den ersten Blick. In Wahrheit steckt hinter dieser Zahl ein großer Erfolg. Noch in den 1970er-Jahren verstarben drei Viertel der Krebspatienten. Das heißt: In weniger als vier Jahrzehnten wurde die Überlebensrate verdoppelt. Vorsorgeuntersuchungen, besseren Diagnostikverfahren und modernen Therapien sei Dank! Doch bis heute hat die Ursachensuche bei Krebs keinen therapeutischen Durchbruch gebracht. Jetzt präsentieren Forscher einen vielversprechenden Ansatz: Im Zentrum stehen die erst jüngst in ihr Blickfeld geratenen Krebsstammzellen. Obwohl sie lediglich in geringer Zahl an einem Tumor beteiligt sind, treiben offenbar gerade sie das Wachstum der bösartigen Zellen an. Und was noch bizarrer ist: Gängigen Tumortherapien entziehen sie sich durch eine Art Schlafzustand, den sie über Monate und Jahre durchhalten, um dann wieder zuzuschlagen.
Die Hoffnung der Krebsforscher ist, den bisher anscheinend unsterblichen „Schläfern” den Garaus zu machen. Einer der Stars dieser Forschungsrichtung ist der in Heilbronn geborene Biologe Andreas Trumpp. Vor 15 Jahren begann er seine internationale Laufbahn im Labor des Medizin-Nobelpreisträgers John Michael Bishop in San Francisco. Die Schweiz erkannte die Begabung des heute 45-Jährigen bald darauf und holte Trumpp 2000 zurück nach Europa. Seit Juli 2008 ist er Professor am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und leitet parallel dazu das Heidelberg Institute for Stem Cell Technology and Experimental Medicine, kurz HI-STEM. Dieses Institut wurde 2008 mit einer 7,5 Millionen-Euro-Unterstützung der Dietmar Hopp Stiftung ins Leben gerufen. Dietmar Hopp ist genau jener Hopp, der die SAP mitgründete und aus dem Dorfverein 1899 Hoffenheim einen Fußballbundesliga-Club machte.
Was Trumpp zum Ortswechsel bewog, war nicht nur das nagelneue DKFZ-Labor und das erstklassige wissenschaftliche Umfeld in Heidelberg, sondern auch der Wunsch, die Forschung über HI-STEM in Produkte münden zu lassen. Im letzten Oktober trafen bdw-Autorin Claudia Eberhard-Metzger und ich erstmals mit ihm zusammen. Er imponierte uns auf Anhieb, weil er sein Forschungsfeld ebenso spannend wie nachvollziehbar schilderte. Und wir beschlossen spontan, einen großen Bericht über Krebsstammzellen zu bringen (ab Seite 28). Anfang März wurde das Team Trumpp von dem Münchner Fotografen Volker Steger in Szene gesetzt. Auch da gab die Gruppe eine professionelle Visitenkarte ab: Die zeitaufwendige Fotoproduktion versetzte offensichtlich weder Meister noch Mitarbeiter in Stress.





