Die Folgen der globalen Erwärmung zeigen sich besonders stark in der Arktis. Hier sind die Oberflächentemperaturen in den vergangenen Jahrzehnten bis zu viermal so schnell angestiegen wie im globalen Durchschnitt. Entsprechend sind die Auswirkungen der arktischen Erwärmung auf das Weltklima Gegenstand intensiver Forschungen. Weniger beachtet wurden die Antarktis und der Südliche Ozean, der bis zum 60. südlichen Breitengrad reicht. Hier zeigt sich die Erwärmung bisher weniger offensichtlich. Bis 2014 nahm das Meereis der Antarktis sogar zu und verzeichnet erst seit etwa zehn Jahren drastische Rückgänge. In Klimamodellen werden die Einflüsse des Südpolarmeeres daher weniger berücksichtigt, und da viele Prozesse noch unzureichend erforscht sind, unterliegen entsprechende Prognosen großen Unsicherheiten.
Wichtiger als die Arktis?
„Die relative Erwärmung des Südlichen Ozeans im Vergleich zum Arktischen Ozean könnte weitreichende globale Auswirkungen haben, insbesondere auf regionale tropische Niederschlagsmuster“, erklärt ein Team um Hyein Jeong von der Hanyang University in Südkorea. Die Forschenden experimentierten mit mehreren Simulationen und Klimamodellen, um herauszufinden, wie der Südliche Ozean das Weltklima beeinflusst und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. „Unsere Studie unterstreicht den bedeutenden Einfluss der Erwärmung des Südlichen Ozeans auf künftige tropische Klimamuster und deutet darauf hin, dass sie einen größeren Einfluss haben könnte als die Erwärmung der Arktis“, berichtet das Team.
Während die Klimawissenschaft bisher üblicherweise davon ausgegangen ist, dass sich die tropischen Niederschläge durch die Erwärmung der Arktis nach Norden verschieben, hat die Erwärmung der Antarktis einen entgegengesetzten Effekt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine Erwärmung der Oberfläche des Südlichen Ozeans um mehr als 1,5°C die für Mitte des 21. Jahrhunderts prognostizierte Verschiebung des zonalen Mittelwerts der tropischen Niederschläge nach Norden ausgleichen kann“, so die Forschenden. „Bereits eine Erwärmung um 1,0°C im Südlichen Ozean könnte die tropischen Niederschläge ebenso stark beeinflussen wie eine Erwärmung um 1,5 °C in der Arktis.“
Einfluss auf regionale Niederschläge
Konkret bedeutet dies: „Auf regionaler Ebene erhöht die Erwärmung des Südlichen Ozeans die Niederschläge im Nordosten Brasiliens, während die Dürrerisiken in der Sahelzone zunehmen“, berichtet das Forschungsteam. Im Winter könnte an der Pazifikküste der USA mehr Regen fallen. Auch der Monsun im ostasiatischen Sommer kann sich durch diesen Effekt verstärken und damit das Überschwemmungsrisiko in dieser Region weiter verschärfen. Laut Jeong und ihrem Team könnte die Erwärmung des Südlichen Ozeans ähnlich gravierende Auswirkungen auf das Weltklima haben wie die Abschwächung der atlantischen meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC), zu der auch der Golfstrom gehört.





