Die Edition verfolgt dabei eine klar definierte Zielsetzung: „Das vorliegende Buch ist vor allem für jene gedacht, die sich für die Kulturgeschichte von Krönungen interessieren und die sich schon immer gefragt haben, was man in Sankt Peter bei Kaiserkrönungen sang und wo eigentlich das Salböl hinkam.“
Dabei geht Rader nicht allein auf den Ablauf der Krönung Kaiser Karls IV. ein, sondern stellt diesem eine etwa 50 Seiten umfassende Vorrede bei, in der er ausführlich auf die Bedeutung Karls IV., die Überlieferungsgeschichte der Quelle und die verschiedenen Kronen des Kaisers eingeht. Allein den Kronen des Herrschers werden dabei mehrere Unterkapitel gewidmet. Die Frage hingegen, welche Bedeutung der Kaisertitel zu jener Zeit, in der der gerade erst gekrönte Regent sich nach seinem Festmahl sogleich aus Rom zurückziehen musste und der Papst in Avignon saß, überhaupt hatte, behandelt Rader nur in einem Kapitel zur „Idee der imperialen Herrschaft“. Hier hätte seinen Ausführungen eine etwas tiefergreifende Auseinandersetzung gut getan. Die Anmerkungen zur Entstehungsgeschichte des Textes und zu den beteiligten Personen hingegen sind lesenswert.
Rader bedient sich, besonders in seinen einleitenden Kapiteln, einer sehr lebendigen Sprache. Ob der Versuch, den Leser mit einem reportageartigen Einstieg für das Thema, welches dem Herausgeber sichtlich am Herzen liegt, zu begeistern, an dieser Stelle angebracht oder gelungen ist, darf bezweifelt werden. Im Ergebnis führen dieser Stil und die Inszenierung Karls IV. als in der öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung heillos unterrepräsentierte Person zu einer Fülle an Adjektiven und Superlativen, die den Text überfrachten.
Zur Auflockerung der Einleitung wurde diese mit einigen interessanten Schwarz-Weiß-Bilder versehen; zwei kleine Karten der Reiserouten runden das Werk ab. Auf eine Literaturliste, welche für wissenschaftliche Werke eigentlich üblich ist, wurde hingegen verzichtet.
Das Werk nutzt für den eigentlichen Reisebericht eine frühneuzeitliche Edition. Dabei stellen die Herausgeber dem deutschen immer auch den lateinischen Text in kleinerer Schriftgröße zur Seite, etwas, das den im Lateinischen bewanderten Leser erfreuen dürfte und jenem auch ein besseres Verständnis der Übersetzung ermöglicht. Die Auswahl der Textstellen, 51 der ursprünglich 82 Kapitel, erscheint dabei einleuchtend.
Um das Gelesene vollständig einordnen zu können, dürfte eine tiefergreifende Beschäftigung mit dem Kaisertum notwendig sein. Doch dies ist auch nicht der Anspruch, den der Autor an sein Werk stellt, und „wo eigentlich das Salböl hinkam“, ist nach der Lektüre des Werkes zur vollsten Zufriedenheit geklärt – unter anderem, soviel kann hier kurz verraten werden, kam es zwischen die Schulterblätter. Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass „Wie Blitz und Donnerschlag“ ein durchaus lesenswertes Buch für alle ist, die sich für Karl IV. oder historische Berichte und Zeremonien interessieren.




