Neben dem Coronavirus Sars-CoV-2, das derzeit für eine weltweite Pandemie mit zahlreichen Todesopfern verantwortlich ist, gibt es weitere Coronaviren, die schon lange beim Menschen vorkommen. Vier von ihnen sind weltweit verbreitet und verursachen in der Regel nur milde Erkältungssymptome. Diese vier Coronaviren sind endemisch, das heißt, sie zirkulieren dauerhaft in der Bevölkerung und verursachen häufige Infektionen. Kinder kommen typischerweise bereits im Vorschulalter mit diesen Viren in Kontakt.
Vergleich mit endemischen Coronaviren
Ein Team um Jennie Lavine von der Emory University in Atlanta nimmt nun Erkenntnisse über diese harmlosen Coronaviren als Grundlage für Prognosen, wie sich Sars-CoV-2 in den nächsten Jahren entwickeln wird, wenn es ebenfalls so weit in der Bevölkerung verbreitet ist, dass es endemisch wird. Bei den bisher bekannten endemischen Coronaviren verlaufen die Infektionen im Kindesalter in aller Regel ohne Komplikationen und bieten eine gewisse, wenn auch eingeschränkte Immunität gegen das jeweilige Virus.
„Eine erneute Infektion ist durchaus innerhalb eines Jahres möglich, aber selbst wenn sie auftritt, sind die Symptome mild und das Virus wird schneller aus dem Körper entfernt“, sagt Lavine. „Das unterstreicht die Notwendigkeit, die verschiedenen Komponenten der Immunität gegen Sars-CoV-2 auseinander zu halten: Wie lange hält die Immunität, die einen schweren Verlauf verhindert, und wie lange hält die Immunität, die die Übertragung verhindert? Diese Zeitspannen können sehr unterschiedlich sein.“
Infektionssterblichkeit könnte langfristig sinken
Bezogen auf Sars-CoV-2 gibt es zu diesen Fragen bereits einige Studien, aber noch keine eindeutigen Antworten. Für ihr Modell nehmen Lavine und ihre Kollegen an, dass die Werte ungefähr denen der Erkältungs-Coronaviren entsprechen. Demnach würde die Erstinfektion zwar einen gewissen Schutz vor schweren Verläufen, nicht aber vor einer erneuten Ansteckung und Übertragung bieten. Die Harmlosigkeit der vier endemischen Coronaviren könnte nach Ansicht der Forscher darin begründet liegen, dass fast alle Menschen als Kind eine Grundimmunität erworben haben. „Wir wissen nicht wirklich, wie es wäre, wenn jemand zum ersten Mal als Erwachsener anstatt als Kind eines der anderen Coronaviren bekommen würde“, betont Lavine.
Sollten sich bisherige Beobachtungen und Vermutungen bestätigen, nach denen auch Sars-CoV-2 bei Kindern mild verläuft und sie im späteren Leben vor schweren Ausprägungen der Erkrankung schützt, könnte die Infektionssterblichkeitsrate langfristig auf unter 0,1 Prozent und damit unter den Wert der saisonalen Influenza fallen, so die Forscher. „Wir befinden uns in unbekanntem Terrain, aber eine wichtige Botschaft der Studie ist, dass immunologische Indikatoren darauf hindeuten, dass die Todesraten und der kritische Bedarf an breit angelegten Impfungen in Zukunft abnehmen könnten“, sagt Co-Autor Ottar Bjornstad von der Pennsylvania State University. „Daher sollte der maximale Aufwand dem Ziel gelten, diese jungfräuliche Pandemie auf dem Weg zur Endemie zu überstehen.“





