Am Beispiel Südgalliens, für das eine besonders gute Quellengrundlage besteht, zeigt sie detailliert, wie die Römer mit Aufstiegsmöglichkeiten für die lokale Adelsschicht in Militär und Verwaltung, dem Erwerb des römischen Bürgerrechts mit seinen Vorteilen sowie mit der Schaffung einer befriedeten, städtischen Infrastruktur und eines gemeinsamen Rechts- und Sprachraums einen Prozeß ermöglichten, den Botermann „Selbstromanisierung“ nennt. Damit betont sie, daß die Zentralgewalt Rom zwar zunächst Zwangsmittel anwandte – militärische Unterwerfung, Einrichtung einer Provinz, lateinsprachiger Unterricht –, doch daß dann die freiwillige Bereitschaft der gallischen Bevölkerung, eine römische Identität anzunehmen und sich römische Lebensformen zuzulegen, letztlich die Stabilität des Imperium Romanum ausmachte.
Dieser Prozeß der Akkulturation begann im 1. Jahrhundert v. Chr. und beschleunigte sich um die Zeitenwende. Er zeigte sich an den römischen Namen, die nun die keltischen verdrängten, ebenso wie an der Veränderung im Totenkult, an der Erziehung der Kinder ebenso wie an der Bereitschaft, den römischen Kaiser als Gott zu verehren. Wer Helga Botermanns Buch gelesen hat, versteht ein wichtiges Stück Vergangenheit besser.
Rezension: Talkenberger, Heike




