Astronomen untersuchen Abwehrmaßnahmen gegen Asteroideneinschläge. Während die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa auf atomare Ablenkung setzt, bringen europäische Forscher ein sachtes Abdrängen von der Kollisionsbahn durch Sonnenspiegel ins Spiel. Ob die kosmischen Brocken durch Projektile gestoppt werden können, sollen Raumfahrtmissionen zeigen.
Der nächste Volltreffer kommt bestimmt. Schon ein kurzer Blick auf die pockennarbige Oberfläche des Mondes zeigt: Einschläge kosmischer Brocken sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Erde wird nicht verschont. Zwar verglühen nur metergroße Himmelskörper durch die Reibungshitze in der Atmosphäre. Doch ab fünfzig Metern Durchmesser schlagen Asteroiden mit gewaltigen Folgen auf die Oberfläche durch. Forscher tasten daher den Himmel mit ihren Teleskopen nach Near Earth Objects, sogenannten NEOs, ab jenen Asteroiden oder Kometen, die der Erde gefährlich nahe kommen könnten. Und sie entwickeln Konzepte, um einen Asteroiden oder Kometen von einem Kollisionskurs abzulenken.
“Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, eine Kollision zu vermeiden. Man kann versuchen, den Asteroiden wegzuschubsen oder zu zerstören”, sagt Christian Gritzner von der Raumfahrtagentur des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) in Bonn-Oberkassel. Wobei wegschubsen die elegantere Methode wäre: Schon eine kleine Änderung der Bahn kann bei den großen astronomischen Distanzen bewirken, dass der Himmelskörper an der Erde vorbeifliegt. Wird der Himmelskörper indes etwa durch eine atomare Explosion zerstört, könnten die Bruchstücke dennoch die Erde treffen. Asteroiden mit Durchmessern über 100 Meter sollten deshalb besser sachte beiseite geschoben werden, meint Gritzner.
Dennoch setzt die amerikanische Weltraumbehörde Nasa auf die atomare Option. Ein Raumschiff soll eine Atombombe zum Asteroiden bringen. Doch wird diese nicht auf die Oberfläche aufgesetzt oder wie im Hollywood-Streifen “Armageddon” vergraben, sondern in der Nähe des Asteroiden gezündet. Die Explosion erteilt dem kosmischen Geschoss einen Schlag und wirft ihn aus der Kollisionsbahn. In einem Positionspapier an den amerikanischen Kongress empfiehlt die Nasa dieses Verfahren.
“Mit vielen Jahren Vorwarnzeit funktioniert das auch mit heutiger Technik”, sagt Gritzner. Astronomen setzen daher alles daran, möglichst viele NEOs zu erfassen und ihre Bahndaten vorauszuberechnen. Von den geschätzten 300.000 erdnahen Asteroiden mit Durchmessern über 100 Metern sind 4.800 bereits ausgemacht. Von den rund 1.100 Brocken mit Durchmessern über einem Kilometer sind rund 700 bekannt. Je größer und damit potenziell gefährlicher die Asteroiden sind, desto besser ist das Wissen über sie: “Die NEOs mit Durchmessern über zehn Kilometern hat man alle entdeckt. Da können wir beruhigt sein”, sagt Gritzner. Eine solche Größe muss der Asteroid gehabt haben, der von 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und vermutlich das Ende der Dinosaurier einleitete.
Ein Forscherteam um Massimiliano Vasile von der Universität von Glasgow will hingegen das Licht der Sonne nutzen, um Asteroiden abzulenken. Raumschiffe mit Sonnenspiegel sollen sich dem Asteroiden bis auf wenige hundert Meter nähern und die Sonnenstrahlen auf die Oberfläche fokussieren. Dort können dann Temperaturen von bis zu 2.100 Grad Celsius entstehen, die das Gestein zum Verdampfen bringen. Die Wirkung ist wie bei einer Düse: Der Asteroid erhält einen Schub in die entgegengesetzte Richtung. Die Forscher haben berechnet, dass zehn solcher Raumschiffe mit auffaltbaren 20-Meter-Spiegeln ausreichen, um einen 150 Meter großen Gesteinsbrocken innerhalb von sechs Monaten abzulenken. Die Forscher meinen, das sei sicherer als das Zünden einer nuklearen Bombe.
Andere Verfahren halten Gritzner wie auch seine Kollegen von der Nasa als wenig geeignet. So haben Forscher vorgeschlagen, den Asteroiden mit einem aufgesetzten Raketenmotor einfach wegzuschieben. Doch die benötigte Treibstoffmenge könnte gar nicht in den Weltraum gehievt werden. Ähnlich sieht es mit der Schwerkraftmethode aus: Forscher wollen ein schweres Raumschiff nur wenige Dutzend Meter neben den Asteroiden quasi parken. Durch die Anziehungskraft zum Raumschiff würde der Himmelskörper langsam aber sicher von seiner Bahn abgelenkt. Doch auch hier besteht das Problem, die vielen Tonnen an Masse in den Orbit und auf Fahrt zu bringen. Kurios ist wiederum die Überlegung anderer Forscher, einen Bagger oder Roboter auf dem Asteroiden auszusetzen, der sich eingräbt und den Schutt einfach hoch- und wegwirft. Der Rückstoß gibt dem Asteroiden jeweils einen kleinen Tick von der Bahn.
Bleibt nur noch die Idee, ein Raumschiff direkt in den Himmelskörper hineinzujagen, um ihn von seiner Bahn abzudrängen. Amerikanische Forscher hatten ähnliches mit ihrer Sonde Deep Impact versucht, die ein 370 Kilogramm schweres Projektil auf den Kometen Temple 1 schleuderte. “Das hat zunächst einmal gezeigt, dass wir so einen Asteroiden treffen können”, freut sich Gritzner. Allerdings hat der Komet den Angriff gut pariert: Von einem Bahnabweichung keine Spur. Die Astronomen müssen also schwereres Geschütz auffahren, wie es etwa die europäische Raumfahrtagentur ESA mit ihrem Projekt “Don Quichote” plant: Begleitet von der Beobachtungssonde “Sancho” soll eine “Hidalgo” genannte Hauptsonde mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern in der Sekunde in den Asteroiden einschlagen und diesen dadurch ablenken.
ddp/wissenschaft.de Martin Schäfer





