In jeder ägyptischen Familie gab und gibt es mindestens eine Person, die an einer Erkrankung der Leber leidet. Eine Ursache dafür war die Wurmerkrankung Schistosomiasis, auch Bilharziose genannt, bei der sich Würmer in die Leber einnisten. In der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft Ägyptens kamen viele Menschen bei ihrer täglichen Arbeit mit Kanalwasser in Berührung, das mit Würmern (Schistosoma) kontaminiert war. Schätzungen von Ärzten zufolge waren in den 1950er-Jahren bis zu 45 Prozent der Bevölkerung – vor allem auf dem Land – von Schistosomiasis betroffen.
Amr Helmy, Professor für Leberchirurgie und ehemaliger Gesundheitsminister des Landes, erklärt: „Zwischen 1950 und 1980 haben sich das Gesundheitsministerium und die Universitätskliniken sehr angestrengt, Schistosomiasis und die damit einhergehenden Komplikationen zu behandeln. Doch dabei haben wir Hepatitis C verbreitet.“ Zu jener Zeit war das Hepatitis-C-Virus, kurz HCV, noch unbekannt. Es wurde erst 1989 entdeckt.
„Viele Jahre lang wurde Schistosomiasis durch die intravenöse Verabreichung von Brechweinstein (Kaliumantimonyltartrat) behandelt“, so Helmy. „Damals verwendeten wir in der Regel gläserne Spritzen, aber die Sterilisationsmethoden für medizinische Instrumente waren suboptimal. So verbreiteten wir Hepatitis C. Vor allem weil die Behandlung mit Brechweinstein für alle Soldaten Pflicht war.“
Krankenhäuser als Hort der Übertragung
Erst eine landesweite Kampagne des Gesundheitsministeriums im Jahr 2008 hatte die Ursache des Problems identifiziert – dass das Gesundheitssystem für die Verbreitung des Virus sorgte. Damals wurde auch erstmals bekannt gegeben, wie viele Menschen betroffen sind: Bei 15 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 59 Jahren ließen sich HCV-Antikörper im Blut nachweisen. Außerdem zeigte sich, dass die Anzahl der Gesundheitszentren in einer Provinz und die Anzahl der dort infizierten Personen zusammenhingen: Überall, wo Versorgungseinrichtungen ihr medizinisches Besteck nur ungenügend desinfizierten, gab es hohe Infektionsraten.

„Die Lösung des HCV-Problems bedurfte einer Reform des gesamten Gesundheitssystems“, erklärt Manal Hamdy, Professorin für pädiatrische Hepatopathie an der medizinischen Fakultät der Ain Shams Universität in Kairo. Neben ihrer Forschung ist Manal seit zwölf Jahren Mitglied des „Nationalen Komitee zur Bekämpfung von HCV“, das dem Gesundheitsministerium angegliedert ist. Um HCV einzudämmen, arbeitete das Komitee an der Bereitstellung von Medikamenten und Therapien zu erschwinglichen Preisen.






