von BETTINA WURCHE
Grünbraune Algenteile türmen sich am Strand, im Wasser schwappen schlaffe Wedel und Stiele hin und her. Unter der Meeresoberfläche wiegt sich ein ganzer Wald aus elastischen Stängeln und großen Blattwedeln in den Wellen, dazwischen huschen Meereswesen mit Flossen oder Beinen durch das grünliche Zwielicht.
Solche Makroalgen-Dschungel säumen die Küsten der gemäßigten und kühlen Zonen, etwa den felsigen europäischen Festlandsockel von Portugal bis Norwegen. Sie sind genauso produktive Ökosysteme wie tropische Regenwälder: Seeigel knabbern die zähen Tangwedel an, und Meeresschnecken weiden die auf den Wedeln wachsenden Algenrasen ab. Die Gewächse bieten Nahrung, Sitzplätze und Verstecke für Polypen, Krebse und Fische. Gleichzeitig ist das Dickicht die Kinderstube für Larven kommerziell wichtiger Arten wie Hummer und Kabeljau. Algenwälder schützen die Küsten vor Erosion, filtern Schwebstoffe, Stickstoff und Phosphate aus dem Wasser und reichern es mit Sauerstoff an. Damit verbessern sie auch in der weiteren Umgebung die Wasserqualität.
Makroalgen sind mehrzellige Grün-, Rot- und Braunalgen mit einer Länge zwischen wenigen Millimetern und über 50 Metern. Bei Algen handelt es sich nicht um Pflanzen, sondern um „Pflanzenartige“ – sie sind Photosynthese betreibende Organismen. Große und fest am Boden verankerte, im Meer lebende Braun- und Rotalgen werden auch Tang, Seetang oder Kelp genannt.
Der Tang hält sich mit einem wurzelartigen Haftorgan auf festem Untergrund. Ein flexibler Stängel trägt die blattartigen Wedel. Er wächst der Wasseroberfläche und dem Sonnenlicht entgegen, denn er braucht Licht für die Photosynthese. Aus diesem Grund halten manche Arten ihren Körper mit gasgefüllten Blasen aufrecht im Wasser.
Eine der bekanntesten und verbreitetsten Tangarten des Nordatlantiks ist der Palmentang (Laminaria hyperborea). Vor Portugal bleibt er klein und macht nur einen Teil der Tang-Biomasse aus, in Richtung nördlicher Regionen wird er immer größer, älter und dominanter. An der felsigen Küste Helgolands gedeiht der Palmentang neben dem ähnlich markanten Finger- und Zuckertang und kleineren Gewächsen. Er wird hier bis zu 2,5 Meter hoch und bis zu 8 Jahre alt.
Wandernde Unterwasserwälder
Doch der Klimawandel setzt den Beständen zu, vor Spanien wird es ihnen mittlerweile zu warm. „Bei 4 bis 18 Grad Celsius fühlen sich die Gewächse wohl, ab 22 Grad sterben sie“, erklärt die Makroalgen-Expertin Inka Bartsch vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Auf Helgoland leidet in sehr heißen Sommern vor allem der Fingertang (Laminaria digitata). Doch bislang kann er sich regenerieren, wenn es wieder abkühlt.





