Von RALF STORK
Flucht vor Feinden, höhere Mobilität, leichterer Zugang zu Nahrung – die Vorteile des Fliegens liegen auf der Hand. Kein Wunder, dass zum Beispiel bei den Insekten 80 bis 90 Prozent der Arten das Fliegen für sich entdeckt haben. Insekten punkten gegenüber Wirbeltieren mit einem entscheidenden Vorteil: Ihre Generationsfolge ist extrem kurz. Bei einigen Arten dauert es nur wenige Tage oder Wochen, bis eine neue Generation entsteht. In jeder neuen Generation können sich Mutationen herausbilden, die – falls vorteilhaft – in den Folgegenerationen dann verstärkt und weiterentwickelt werden. Je kürzer die Generationsfolge ist, desto dynamischer sind die möglichen Veränderungen. Die Insekten waren auch deshalb die ersten Tiere, die die Fähigkeit zum Fliegen entwickelt haben. Fische, Amphibien, Vögel und Säugetiere haben deutlich längere Generationsfolgen. Das heißt, grundlegende Veränderungen dauern länger – und wer nicht zufällig zu der Gruppe oder Ordnung der Wirbeltiere gehört, die das Fliegen für sich entdeckt hat, hat auch im Laufe von noch so vielen Generationen keine Chance mehr, eine echte Flugfähigkeit zu entwickeln. Hat die Evolution einmal einen Weg eingeschlagen, der nicht Richtung Himmel weist, gibt es für die Arten keine Möglichkeit mehr, doch noch die Luft zu erobern. Eigentlich. Denn in allen Wirbeltier-Gattungen gibt es Artengruppen, die zwar nicht fliegen können, die aber aus ihren Körperbauplänen im Laufe vieler, vieler Generationen alles rausgeholt haben, um wenigstens durch die Luft gleiten zu können.





