Wie darf ich Sie überhaupt ansprechen? Herr Glück, Frau Glück oder Seine Majestät, das Glück?
Wissen Sie, mit Schmeicheleien kann man mich nicht herbeizwingen; ich mag eher die leiseren Töne. Der Wiener Kaffeehausdichter Peter Altenberg hat mich vor vielen Jahrzehnten in einem seiner sagenhaften Bohemien-Räusche beschrieben, als eine Person mit goldbraunem Teint wie eine Javanerin und mit äußerst beweglichen Zehen. Wo er das mit den Zehen herhat, weiß ich nicht. Das Übrige hat mir schon sehr gut gefallen. Ein bisschen exotisch, ein bisschen kapriziös, ein bisschen unberechenbar, aber immer gut drauf. Ja, so bin ich wirklich.
Schön sehen Sie aus, wenn Sie so lächeln.
Ah, Sie Schelm, ich verstehe; hinterher können Sie sagen: Das Glück hat mir gelacht, was allerdings sehr berlinerisch klingt. Apropos Berlin: Kommen Sie aus der Bundeshauptstadt? In diesem Fall gehören Sie nicht unbedingt zu meinen Favoriten.
Gut, dass Sie das ansprechen, denn darüber wollte ich mit Ihnen diskutieren: Die Deutsche Post hat den Glücksatlas Deutschland in Auftrag gegeben, eine wissenschaftliche Studie über unser Glücksempfinden. Nehmen Sie so was ernst?
Warum denn nicht! Immerhin haben die Forscher, renommierte Wissenschaftler der Universitäten Freiburg, Mannheim sowie des Allensbach-Institutes festgestellt, dass die Hamburger am glücklichsten sind. Ich mag eben Hamburger, besonders mit Tomate, Mayo, Gurke und Ketchup, hihi.
Aha, und wie halten Sie es mit den Frankfurtern?
Die sind für meinen Geschmack etwas altmodisch. Die Frankfurter Banker haben mich bei ihrem Gezocke einfach einkalkuliert, was ein großer Fehler ist. Ich lasse mich nicht vereinnahmen. Die Quittung: Die Hessen nehmen beim Glücksranking nur Platz 14 der deutschen Bundesländer ein.
Berlin schneidet noch einen Platz schlechter ab.
Ich weiß auch nicht, warum die dort so unzufrieden sind. Immerhin Sahra Wagenknecht und ihrem Oskar geht’s jetzt richtig gut! Aber vielleicht fragen Sie mal Frau Merkel und Kollegen!
Gott sei Dank komme ich aus München.
Da bin ich sehr gern. Alles auf höchstem Level: die Stadt, der Fußball, die Preise. Und alle sind zufrieden damit. Das bestätigt auch meine Selbstdefinition: Ich bin eine harmonische Ehe von Illusion und Ignoranz.





