Statistiken, die auf seriösen Umfragen und auf Erhebungen der Krankenversicherungen beruhen, lassen keinen Zweifel: Drei von vier Deutschen leiden mehr oder weniger regelmäßig unter Kopfschmerzen und rund 13 Prozent der Frauen sowie 7 Prozent der Männer gar unter heftigen Migräneattacken. Dagegen gibt es glücklicherweise wirksame Medikamente, aber die haben ihre Tücken wie fast alle Arzneimittel, die massiv in biochemische Prozesse eingreifen. Wenn man sie zu lange und vor allem unkontrolliert einnimmt, besteht die paradox klingende Gefahr, dass sie die Beschwerden irgendwann nicht mehr lindern, sondern sogar noch verstärken und damit einen sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen. Immerhin ein Prozent der Bevölkerung – in Deutschland also rund 800.000 Personen, wobei Frauen weitaus in der Mehrzahl sind – scheint davon betroffen zu sein. Und von denen bekämpfen nicht wenige die quälenden Schmerzen in Unkenntnis der Zusammenhänge, indem sie immer mehr Tabletten über einen immer längeren Zeitraum einnehmen.
Über die Ursache des arzneimittelbedingten Kopfwehs, das manchmal von Übelkeit und Brechreiz begleitet wird, herrscht noch weitgehend Unklarheit. Auffallend ist, dass die dauerhafte Tabletteneinnahme die Schmerzschwelle nicht etwa hebt, sondern vielmehr senkt. Oder anders ausgedrückt: Das Nervensystem reagiert bei den Betroffenen schon auf relativ schwache Schmerzreize, die anderen Menschen gar nichts ausmachen. Möglich ist auch, dass nach dem Abklingen der Arzneimittelwirkung die Durchblutung der feinsten Gefäße im Gehirn gestört ist, was sich auf Dauer in heftigen Schmerzen bemerkbar machen kann.
Tatsache ist, dass vom medikamenteninduzierten Kopfschmerz ausschließlich Menschen betroffen sind, die Tabletten, Dragees oder Zäpfchen wegen ständigen Kopfwehs einnehmen, bei denen also eine grundsätzliche Disposition zu derlei Missempfindungen vorliegt. Die genaue Art des Schmerzmittels spielt dabei keine Rolle. Wenn Schmerzmittel aus anderen Gründen, zum Beispiel wegen rheumatischer Erkrankungen, Zahnweh oder orthopädischer Leiden, eingenommen werden, wird dieses Phänomen nicht beobachtet. Und es fällt auf, dass besonders häufig Menschen betroffen sind, die versuchen, ihre Qual nicht mit verschreibungspflichtigen, sondern lediglich mit zwar apothekenpflichtigen, aber rezeptfreien Tabletten – die sie dann in entsprechend hohen Dosen schlucken – zu lindern.
Wer bei chronischen Kopfschmerzen, speziell bei Migräne oder dem sogenannten Spannungskopfschmerz, längere Zeit größere Mengen nicht verschreibungspflichtiger Schmerzmittel schluckt, geht daher ein erhebliches Risiko ein: Es könnte ihm hinterher schlechter gehen als zuvor.





