Wissenschaft und Forschung sind oft mit dem Bild von stickigen Laboren verbunden. Viele bedeutende Erkenntnisse entstehen aber direkt in der Natur. Besonders wenn es darum geht, die Umwelt zu untersuchen, müssen Wissenschaftler umfangreiche Daten im Freien sammeln. Dazu gehören etwa Videos und Bilder zur Dokumentation bestimmter Tier- und Pflanzenarten an verschiedenen Standorten oder Bodenproben zur Analyse von Mikroorganismen. Je mehr Daten gesammelt werden, desto präziser können Forschende ihre Ergebnisse ableiten.
Die Erhebung großer Datenmengen ist allerdings zeitaufwendig und erfordert oft mehr Personal, als wissenschaftliche Institute zur Verfügung haben. Eine vielversprechende Lösung für dieses Problem sind Bürgerwissenschaftsprojekte, auch bekannt als Citizen-Science-Projekte. Dank Smartphones und der relativ einfachen Entwicklung von Apps kann mittlerweile jeder bei der Datenerhebung helfen.

Gartenvögel für die Wissenschaft melden
Einige erfolgreiche Beispiele dafür leitet der NABU (Naturschutzbund Deutschland). In einem seiner Projekte möchte der NABU herausfinden, wie sich die Populationen heimischer Vogelarten entwickeln: Wie viele Vögel gibt es aktuell? Nimmt ihre Anzahl zu oder ab? Wo leben sie? Es würde aber äußerst lange dauern, mit einer kleinen Gruppe von Forschenden oder sogar 30 geschulten Freiwilligen durch ganz Deutschland zu ziehen, um Vögel zu zählen. Außerdem könnten sie nur begrenzte Orte über einen kurzen Zeitraum untersuchen.
Hier kommen interessierte Bürger ins Spiel: Seit 2005 organisiert der NABU die Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“. An drei Tagen im Mai – in diesem Jahr vom 8. bis 10. Mai – werden Naturfreunde dazu aufgerufen, eine Stunde lang Vögel in ihren Gärten oder Parks zu beobachten und ihre Beobachtungen zu melden. Früher geschah dies noch mithilfe von Ausfüllformularen; heute wird alles über die einfache App „Vogelwelt“ abgewickelt. Sie bietet Informationen zu mehr als 300 Vogelarten, inklusive Bildern und Tonaufnahmen von Vogelrufen. Durch verschiedene Filterfunktionen können Nutzer Vogelarten miteinander vergleichen und gesichtete Tiere korrekt identifizieren. Teilnehmer können für die Aktion so einfach die Vögel definieren, die sie gesehen haben, und diese melden.
Inzwischen hat sich die „Stunde der Gartenvögel“ zur größten Vogelbeobachtungsaktion Deutschlands entwickelt. Im Mai 2024 meldeten über 58.000 Menschen zusammen mehr als 1,2 Millionen Vögel – eine beeindruckende Zahl, die ohne das Engagement von Bürgern nicht möglich gewesen wäre. Zusätzlich wird jährlich im Januar die ähnliche Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ durchgeführt. Die beiden Aktionen liefern wertvolle Daten für die Forschung über Größe und Veränderungen verschiedener Vogelpopulationen. Die freiwilligen Helfer tragen so zur Erfassung von Biodiversitätsdaten bei und helfen dabei, Trends im Vogelbestand über Jahre hinweg zu verfolgen.





