Auch, wenn es viele nicht wahrhaben wollen oder verdrängen: Der Klimawandel gehört zu den größten Bedrohungen unserer Zeit. Das Weltwirtschaftsforum warnt etwa, dass die Klimakrise bis 2050 rund 14,5 Millionen Todesfälle und wirtschaftliche Verluste in Höhe von 12,5 Billionen US-Dollar verursachen könnte. Die Weltbank wiederum schätzt, dass bis dahin 216 Millionen Menschen Klimaflüchtlinge sein werden, weil ihre Heimaten durch die Klimaveränderungen, Extremwetter oder den steigenden Meeresspiegel nicht mehr bewohnbar sind. Es verwundert daher nicht, dass immer mehr Menschen Sorgen oder sogar Angst vor dem Klimawandel und seinen Folgen äußern. Doch wer ist am stärksten von Klimaangst betroffen?
Jung, weiblich, besorgt
Das haben nun Forschende um Clara Kühner von der Universität Leipzig ermittelt. Dafür führte das Team eine Metaanalyse von 94 Studien aus 27 Ländern durch, an denen insgesamt über 170.000 Personen teilgenommen hatten. Interessanterweise enthüllten bereits die Grunddaten der Einzelstudien eine gewisse Tendenz: 86 Prozent der Untersuchungen zum Thema Klimaangst waren nach 2020 veröffentlicht oder durchgeführt worden. Das deutet darauf hin, dass Sorgen vor dem Klimawandel in kurzer Zeit stark zugenommen haben beziehungsweise stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt sind.
Doch nicht jeder ist gleich intensiv von Klimaangst betroffen. Wie die Metaanalyse ergab, tritt das Phänomen gehäuft bei bestimmten Gruppen auf: bei jüngeren Menschen, Frauen, Personen mit eher linksgerichteten politischen Ansichten, ohnehin zukunftsängstlichen Menschen sowie bei solchen, die häufig mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert sind – zum Beispiel beruflich. Keine große Rolle scheint hingegen das Bildungsniveau zu spielen. „Das deutet darauf hin, dass ein hohes Bildungsniveau keine Voraussetzung dafür ist, sich durch den Klimawandel bedroht zu fühlen“, schreiben Kühner und ihre Kollegen.
Noch weist die Forschung zur Klimaangst allerdings erhebliche Lücken auf, wie die Forschenden betonen. Denn fast drei Viertel der inkludierten Studien stammen aus dem globalen Norden – und das obwohl der globale Süden noch deutlich stärker vom Klimawandel betroffen sein wird. Inwiefern sich das auf die Zukunftssorgen der Menschen vor Ort auswirkt, ist jedoch noch weitgehend unbekannt.
„Ein zweischneidiges Schwert“
Diejenigen, die Klimaangst verspüren, gaben in den Einzelstudien an, dass sich die Sorgen erheblich auf ihr Wohlbefinden auswirken. Gleichzeitig scheinen sie aber auch ein wichtiger Ansporn für die Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen und für umweltbewusste Verhaltensweisen zu sein. „Die Ergebnisse legen nahe: Klimaangst ist ein zweischneidiges Schwert“, fasst Seniorautor Hannes Zacher zusammen. Und genau an dieser Stelle sollten Politik und Wirtschaft dem Forschungsteam zufolge in Zukunft ansetzen. Statt berechtigte Sorgen um den Klimawandel als unnötig oder übertrieben abzutun, sollten sie diese lieber nutzen, um sie in dringend notwendiges Handeln für den Klimaschutz umzuwandeln, empfehlen Kühner und ihre Kollegen. Gleichzeitig solle es mehr Unterstützung für Personen geben, die stark unter ihrer Klimaangst leiden.





