Man könnte riesige Solarkraftwerke in einer geostationären Umlaufbahn 36.000 Kilometer über unseren Köpfen errichten. Sie würden dort relativ zur Erdoberfläche immer an derselben Stelle bleiben und mehr als 99 Prozent der Zeit vom Sonnenlicht bestrahlt werden. So ließen sich große Mengen Solarstrom erzeugen, die anschließend in Mikrowellen umgewandelt und als fokussierter Strahl an eine Bodenstation mit Empfangsantennen auf der Erde gesendet werden könnten.
Schon seit den 1960er-Jahren wird diese futuristische Idee diskutiert, ohne dass sich je konkrete Pläne daraus entwickelten. Doch in den vergangenen Jahren haben mehrere Nationen großangelegte Projekte ins Leben gerufen, um weltraumgestützte Solarenergie Realität werden zu lassen.
Ganz vorne mit dabei sind die Briten, bei denen es ja praktisch zur nationalen Identität gehört, sich über das wolkenverhangene Regenwetter zu beklagen. 2021 kam dort eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass es möglich sei, schon bis Anfang der 2040er-Jahre einen erheblichen Prozentsatz des Energiebedarfs Großbritanniens über Solar-Satelliten zu decken. Daher fackelte man nicht lange und gründete 2022 die UK Space Energy Initiative – einen Zusammenschluss aus fast fünfzig Unternehmen und Forschungseinrichtungen, darunter Airbus, Lockheed Martin und die University of Cambridge.
Im November 2022 startete die Europäische Raumfahrtorganisation ESA ihrerseits ein Projekt, mit dem sie die Machbarkeit eines solchen Unterfangens prüfen will. China plant indess schon bis 2028 erstmals Energie von einem Satelliten zur Erde zu senden. Zwei Jahre später soll dann bereits das erste Solarkraftwerk in den Orbit gebracht werden. Das japanische Unternehmen Japan Space Systems hofft, dieses Ziel sogar schon 2025 zu erreichen.
Und da all diese Länder bereits im Rennen sind, haben letztes Jahr natürlich auch die USA beschlossen, dass sie auf dem Feld mitmischen müssen. Fast scheint es, als würden alle es nur tun, weil sie denken, dass alle anderen es tun – was etwa meinen Erinnerungen an die weiterführende Schule entspricht.
Immerhin hat das Konzept zwei entscheidende Stärken: Zum einen werden nach der Herstellung und Installation der Kraftwerke weder Kohlendioxid noch andere Schadstoffe ausgestoßen. Und zum anderen wird es dadurch möglich, Solarstrom rund um die Uhr zu produzieren, wodurch die Abhängigkeit von anderen Energiequellen verringert wird.
Allerdings sind mit der Idee von Solaranlagen im Weltraum noch ein paar erhebliche Schwierigkeiten verbunden. Die größte Herausforderung bei der Konstruktion besteht darin, dass die Solarpaneele stets zur Sonne ausgerichtet werden müssen, während der Energiestrahl zur Erde gerichtet sein muss. Außerdem sollte ein Teil der Anlage keinen Schatten auf einen anderen Teil werfen.





