Ufers Vorgehen besteht dar-in, dass er sich von der Makro-ebene des Welthandels auf die Mikroebene städtischen Alltagslebens vorarbeitet und nach den Auswirkungen globaler ökonomischer Verflechtungen auf das urbane Leben fragt. Er beschreibt zunächst unter Rückgriff auf Theorien des modernen Weltsystems die ökonomische Stellung Amsterdams im 17. Jahrhundert und stellt die Akkumulation von Wohlstand als „Ergebnis globaler Prozesse“ dar. Daraufhin zeigt er, dass dieser Wohlstand vor allem der kleinen Gruppe der Händler-Regenten sowie einer Mittelschicht, die etwa ein Drittel der Einwohnerschaft Amsterdams ausmachte, zugute kam, während die Masse der arbeitenden Bevölkerung kaum davon profitierte.
Mehrere Kapitel beschäftigen sich sodann mit Aspekten der Kommerzialisierung und Modernität städtischen Lebens. Den Amsterdamer Ober- und Mittelschichten bot sich eine Vielzahl von neuen Konsumoptionen und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, doch auch Phänomene des modernen Großstadtlebens wie Anonymität, Hektik und Zeitknappheit lassen sich bereits in der frühneuzeitlichen niederländischen Metropole beobachten. Die Eliten nutzten den Reichtum an materiellen Gütern als Medium sozialer Abgrenzung, während sie sich zugleich in den privilegierten Wohngegenden entlang den neuangelegten Grachten private Schutz- und Rückzugsräume schufen.
Besondere Bedeutung als soziale Statusmerkmale erlangten die aus Asien importierten bzw. nach asiatischen Vorbildern hergestellten Luxus- und Konsumgüter wie Gewürze, Tee, Porzellan, Lackmöbel, Kimonos und Spazierstöcke aus Rattan. In einem eigenen Kapitel wird der kosmopolitische Charakter der Amster‧damer Elite am Beispiel des Kaufmanns Benjamin Burlamacchi und seines Haushalts veranschaulicht.
Ufers Studie gewährt zwar interessante Einblicke in das städtische Leben im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, doch erschließt seine Arbeit kaum neue Archivquellen. Zudem vernachlässigt er die Entstehungs- und Gattungszusammenhänge der untersuchten Texte wie Theater‧stücke, Gedichte und Reisebeschreibungen und wertet sie lediglich auf Einzelphänomene hin aus. Schließlich befindet sich die Arbeit leider auch nicht immer auf dem aktuellen Forschungsstand zur niederländischen Handels- und Sozialgeschichte.
Rezension: Häberlein, Mark




