Kommunismus waren in Europa mit Beginn des 19. Jahrhunderts als Sammelbegriffe für radikale Gesellschaftsreformen aufgekommen. Gegenüber dem Sozialismus, der mit Gerechtigkeit übersetzt wurde, galt der Kommunismus als negative Alternative, die keinesfalls der menschlichen Natur entspreche. Aber gerade dadurch wurde er für Karl Marx und Friedrich Engels attraktiv, die ihn im Februar 1848 mit dem „Manifest der kommunistischen Partei“ provokativ auf ihre Fahne hefteten.
Eine bereits bei Marx und Engels angelegte radikal-revolutionäre Vision des Kommu-nismus einerseits und eine modernistische Variante andererseits sollten sich im 20. Jahrhundert ein ums andere Mal abwechseln. Immer wieder durchliefen die kommunistischen Regimes des 20. Jahrhunderts Phasen, in denen sie an den Heroismus und an die Opferbereitschaft ihrer Bevölkerungen appellierten, und andere Zeiten, in denen sie mit einer pragmatischeren, technokratisch-modernistischen Politik ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren versuchten.
In seinem gut lesbaren, stellenweise spannend geschriebenen Buch konzentriert sich Priestland auf die Ideen, Einstellungen und Handlungen der Kommunisten. Er behandelt aber auch die Erfahrungen der Menschen, die unter kommunistischer Herrschaft lebten und litten. Der Geschichte der Sowjetunion räumt er den größeren Raum ein. Dem Musterschüler Lenin und dem Priesterseminaristen Stalin schwebte ein neues, industrialisiertes, nicht-kapitalistisches System vor, das von einer disziplinierten Vorhutpartei beherrscht wurde; eine Herrschaft der Tugend, die jeweils rasch zu Schreckensherrschaften mutierte.
Daneben kommen auch die asiatischen und westeuropäischen Kommunismen nicht zu kurz, insbesondere Mao Ze-dongs chinesischer Bauern- und Guerilla-Kommunismus. Es ist übrigens bemerkenswert, dass Stalins Säuberungen in den 1930er Jahren auch die Herausgeber der ersten histo‧risch-kritischen Gesamtausgabe der Schriften von Marx und Engels zum Opfer fielen.
Rezension: Herres, Jürgen




