Als mit der italienischen Renaissance in Europa das Interesse an den Relikten des Altertums neu erwachte, kamen die ersten Forschungsreisenden nach Kleinasien. Zu den frühesten gehörte Cyriacus von Ancona, der im 15. Jahrhundert über seine Aufenthalte in Pergamon berichtete. Um 1625 gelangte der Kaplan William Petty in diese Region. Im Auftrag des Earl of Arundel erwarb er in Pergamon antike Skulpturen. Auf diese Weise kamen – noch unerkannt – zwei größere Fragmente des Relieffrieses mit der Darstellung des Kampfs zwischen Göttern und Giganten (Gigantomachie) nach England. Entscheidend für die Wiederentdeckung des Perga‧monaltars und den Beginn wissenschaftlicher Ausgrabungen in der antiken Stadt wurde jedoch erst die Tätigkeit Carl Humanns (1839–1896) in der Türkei. Der Ingenieur reiste im Auftrag der osmanischen Behörden zwischen 1864 und 1866 für geplante Straßen- und Eisenbahnbauprojekte vom Balkan bis Palästina durch die Le‧vante. Er lernte dabei Sprache, Land und Leute kennen und sammelte so wichtige Erfahrungen für seine späteren Forschungsreisen.
Bei Erkundungen für Straßenbauprojekte an der Westküste der Türkei kam er nach Bergama, dem einstigen Pergamon. Hier beobachtete er, wie einheimische Arbeiter die antiken Marmorruinen für die Kalkbrennerei ausbeuteten: „Nun gings zur Burg. Dem flüchtigen Betrachter erscheint dieselbe als ein einziges großes Schuttfeld, von Rasen und niederem Buschwerk bedeckt, durchsetzt von Mauerzügen … Oberhalb der westlichen Stützmauern betrat ich den Trümmerhügel, den man den Tempel der Athena Polias hat nennen wollen. Traurig stand ich da und sah die herrlichen fast mannshohen korinthischen Capitäle, die reichen Basen und anderen Bauglieder, alles um- und überwuchert von Gestrüpp und wilden Feigen: daneben rauchte der Kalkofen, in den jeder Marmorblock, welcher dem schweren Hammer nachgab, zerkleinert wanderte. Einige tiefe frisch gezogene Gräben zeigten, welche Fülle von Trümmern unter der öden Bodenfläche lagerte; je kleiner zersplittert, desto angenehmer waren sie den Arbeitern. Das also war übrig geblieben von dem stolzen uneinnehmbaren Herrschersitz der Attaliden!“
Humann erwirkte bei den osmanischen Behörden erste Schutzmaßnahmen für die antiken Monumente und wandte sich an die Berliner Museen, um sie für Ausgrabungen in Pergamon zu gewinnen. Als der Berliner Museumsdirektor Ernst Curtius 1871 eine Studienreise nach Kleinasien unternahm, traf er auch Humann. Curtius bereitete jedoch gerade eine Expedition nach Olympia vor, die 1875 begann, und vertröstete Humann auf unbestimmte Zeit. Inzwischen sandte Humann erste aus Ruinen geborgene Reliefs nach Berlin, die das Interesse von Alexander Conze (1831–1914) erregten. Dieser war 1877 zum Leiter der Berliner Skulpturensammlung ernannt worden, hatte bereits an Ausgrabungen auf der Insel Samothrake in der nordöstlichen Ägäis teilgenommen und war daher an der Erforschung dieser Region interessiert. Er erkannte sofort die Bedeutung der in Pergamon gefundenen Relieffragmente und setzte sich deshalb zusammen mit dem neuernannten Generaldirektor Richard Schöne (1840–1922) beim preußischen Kultusminister Adalbert Falk (1827–1900) für offizielle Ausgrabungen in Pergamon ein.




