… Der 7. November 1225 war ein schwarzer Tag für den Grafen Friedrich; in einem Hohlweg nahe Gevelsberg (Ruhrgebiet) lag ein blutüberströmter toter Mann zu seinen Füßen. Und zwar nicht irgendein Mann, sondern Engelbert von Berg, Erzbischof von Köln, Reichsverweser und Vormund König Heinrichs (VII.) sowie Friedrichs Vetter. Da der Graf mit dem Erzbischof im Streit lag, hatte er ihm mit seinen Gefolgsleuten in dem Hohlweg (vermutlich einem Teil der Fernstraße nach Köln) aufgelauert und den Tross des Erzbischofs überfallen. Der kampferprobte Kirchenmann hatte sich heftig gewehrt, war aber von den Knechten seines Vetters erschlagen worden. Bei der Obduktion im Jahr 1978 fanden sich an seinem Körper mehr als 45 Hieb- und Stichverletzungen.
Heute können wir nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob die Ermordung geplant war. Man kann eher davon ausgehen, dass Friedrich seinen Verwandten nur gefangen nehmen wollte, um ihn zum Nachgeben im Streit zu bewegen, eine Taktik, die im Mittelalter häufiger praktiziert wurde. Zumal ein toter Erzbischof dem Grafen nichts nutzte. Im Gegenteil: Auch wenn Friedrich nicht selbst Hand an seinen Vetter legte, erfolgte der Überfall doch in seinem Auftrag und wurde von seinen Mannen ausgeführt. Und das machte ihn zum Schuldigen. Heute wird jedoch bezweifelt, dass Friedrich allein gegen seinen mächtigen Vetter Engelbert stand. Vieles deutet darauf hin, dass er Teil einer größeren Gruppe von Adligen und Fürsten war, die sich in Opposition zum Erzbischof befanden.
Schon kurz nach der verruchten Tat schrieb der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach die Lebensgeschichte des Erzbischofs in der Absicht nieder, die Heiligkeit Engelberts nachzuweisen. Dies tat er im Auftrag Heinrichs von Müllenark, der Engelbert auf dem Kölner Erzstuhl nachgefolgt war und dessen Heiligsprechung vorantreiben wollte.
Die Aufgabe, dem Erzbischof Engelbert ein heiligenmäßiges Leben zu bescheinigen, stellte Caesarius vor Schwierigkeiten, wie er selber anmerkte. Denn Engelbert war nicht nur geistlicher Hirte, sondern als Herzog von Westfalen auch ein mächtiger weltlicher Herrscher, der die Interessen des Erzbistums Köln – sowie seine eigenen – zielstrebig und wenig rücksichtsvoll durchzusetzen pflegte. Waren seine Ziele nicht auf friedlichem Weg zu erreichen, dann scheute er auch den Weg der Gewalt nicht. So etwa 1218, als sein Bruder Adolf III. von Berg gestorben war. Da Adolf keine männlichen Nachkommen hatte, erhob Herzog Wallram IV. von Limburg, dessen Sohn Heinrich mit Irmgard, der Tochter Adolfs, verheiratet war, Erbansprüche im Namen seines Sohnes und seiner Schwiegertochter auf die Grafschaft Berg. Engelbert erkannte diesen Erbanspruch nicht an und forderte die Grafschaft für sich.
Zwei Fehden wurden darum geführt, bis sich Engelbert 1223 durchsetzen konnte und einen für ihn günstigen Friedensvertrag mit dem Limburger schloss, der im Namen seines Sohnes auf alle Ansprüche auf die Grafschaft Berg verzichtete. Vor diesem Hintergrund war Engelberts gewaltsamer Tod fast ein Glücksfall. So konnte man für ihn das Martyrium in Anspruch nehmen. Obwohl er nie offiziell heiliggesprochen wurde und hauptsächlich im Bistum Köln verehrt wird, setzte seine Verehrung schon kurz nach der Tat ein.




