Preußen war von seiner materiellen Ausstattung her ein bescheidener, ja armer Staat. Friedrichs Großvater, Kurfürst Friedrich III., hatte sich 1701 in Königsberg selbst zum König gekrönt und zum Glanz seines neuen Königsreichs einen Aufwand getrieben, der dessen Kräfte überstieg. Ganz anders sein Sohn, Friedrichs Vater, der als Friedrich Wilhelm I. seit 1713 sparsam, fast geizig wirtschaftete und die Mittel auf das Militär konzentrierte („Soldatenkönig“), das er von 40 000 auf 81000 wohlausgerüstete Mann verstärkte. Als er 1740 starb, hinterließ er seinem Sohn diese Armee (mit der er keinen Krieg geführt hatte) und einen Staatsschatz von wohl 8,7 Millionen Talern, ein ansehnliches Erbe.
Das machte freilich das Land nicht reich. Wie ein Blick auf die Karte zeigt, war es 1740 territorial zerrissen. Lediglich die mittleren und die östlichen Provinzen bildeten eine halbwegs geschlossene Einheit, die kleinen westlichen waren verstreute Gebietsstücke ohne Zusammenhang. Die Bevölkerung belief sich auf 2,2 Millionen Einwohner, in unterschiedlicher Dichte auf die Provinzen verteilt und im Osten wesentlich geringer als im Westen.
In der Wirtschaft des Landes spielte die Landwirtschaft die mit Abstand größte Rolle. Man schätzt, dass 70 Prozent der Bewohner darin tätig waren, nicht nur auf dem Land, sondern auch in den kleinen Städten. Von Ausnahmen abgesehen, war die Qualität des Bodens und entsprechend der Ertrag der Landwirtschaft gering. Weite Flächen waren sandig (man bezeichnete die Mark Brandenburg, das Kernland des Staates, als „Streusandbüchse“ des Reichs). Außerdem waren weite Landstriche sumpfig und mussten, um Ertrag zu bringen, entwässert werden. Vor allem drei Flüsse im Osten, die Oder, die Warthe und die Netze, wurden weithin von solchen Sumpfgebieten begleitet, die mehrmals im Jahr überschwemmt und daher für die Landwirtschaft nicht zu gebrauchen waren. Hier hatte schon Friedrich Wilhelm I. mit der Trocken‧legung an der Oder begonnen, und Friedrich führte sie dort zu Ende und legte darüber hinaus die Sumpfflächen an Warthe und Netze trocken. Dadurch wurden erhebliche Ländereien der Landwirtschaft nutzbar gemacht. Friedrich sprach davon, dass er an der Oder eine Provinz im Frieden erobert habe.
Die Agrarverfassung war einer intensiven Bewirtschaftung des Bodens nicht günstig. Freie Bauern gab es nicht, vielmehr standen alle unter der Herrschaft meist adliger Obereigentümer des Landes, die dieses an die Bauern gegen die Leistung von Diensten und/oder Abgaben ausgaben. Dabei sind im Wesentlichen zwei Formen zu unterscheiden. Östlich der Elbe und damit im größten Teil des Landes herrschte die Gutsherrschaft vor, in der der Grundherr das Land in der Regel gegen Dienstleistungen auf seinen Gütern vergab. Diese Dienste waren unterschiedlich umfangreich und konnten bis zu sechs Tagen in der Woche gehen. Es leuchtet ein, dass dabei eine ergiebige bäuerliche Wirtschaft nicht möglich war und dass auch die Dienste zumeist widerwillig und schlecht geleistet wurden. Im Westen gab es dagegen die Gutsherrschaft, die dem Bauern ein größeres Maß an wirtschaftlicher Beweglichkeit ließ und in der die Abgaben in Naturalien oder in Geld eine große Rolle spielten.




