Bei bildgebenden Verfahren in der Medizin entwickelt sich derzeit sowohl die Technologie als auch die Software rapide. Erst einmal ist Bilderkennung eine Aufgabe, zu der sich Künstliche Intelligenz hervorragend eignet. Bald werden Computer mit Ärzten bei bildgestützten Diagnosen mithalten können. Am weitesten ist die Forschung fortgeschritten für Krankheitserkennung aus Röntgenbildern des Oberkörpers. Eine Gruppe in Stanford, USA, hat hierzu mehr als 200.000 Bilder mit Diagnosen von Spezialisten veröffentlicht. Damit können Forscher intelligente Netzwerke trainieren. Die Stanford-Initiative mit dem Namen „CheXpert“ bewertet den Erfolg der Versuche. Führend ist im Moment eine Forschergruppe aus Vietnam, deren Bilderkennung „akkurater als 2,6 von 3 Fachärzten“ war.
Sicherlich werden wir bald ähnliche Initiativen für andere diagnostische Verfahren und Körperbereiche sehen. Um Künstliche Intelligenz dieser Art anzuwenden, bräuchten Sie lediglich eine Internetverbindung, über die Sie ein Bild hochladen und auswerten lassen können. Da stellt sich die Frage, wie Sie an ein Bild herankommen.
Röntgenbilder haben einen schlechten Ruf wegen der damit verbundenen radioaktiven Belastung. Moderne Röntgengeräte arbeiten aber mit Strahlendosen, die in den meisten Fällen unter der natürlichen jährlichen Strahlendosis der Umwelt liegen − es sei denn, Sie brauchen einen Ganzkörperscan. Doch leider eignen sich Röntgengeräte nicht für den Hausgebrauch wegen der Risiken, die mit der Handhabung radioaktiver Materialien einhergehen.
Bei Ultraschall sieht es da besser aus. Er funktioniert so ähnlich wie Radar, nämlich indem ein Signal ausgesandt und seine Reflexionen wieder eingefangen werden. Beim Radar benutzt man dafür langwellige elektromagnetische Strahlung, die wir nicht sehen können − beim Ultraschall sind es hohe Töne, die wir nicht hören können. Wenn man Ultraschallwellen auf den Körper schickt, können sie tief eindringen, ohne Schaden anzurichten. Und aus den Reflexionen kann man auf die Dichte des Gewebes zurückschließen. Bei dieser Untersuchungsmethode wird zwar etwas Energie in den Körper übertragen, was zu einer Aufwärmung des Gewebes führen kann, aber die Erwärmung, die bei normalen Untersuchungen anfällt, ist gesundheitlich unbedenklich.
Ultraschallgeräte für den Allgemeinverbraucher gibt es schon seit etwa 20 Jahren. Apparate mit bildlicher Rekonstruktion waren aber lange so teuer, dass sie Arztpraxen vorbehalten blieben. Seit einigen Jahren jedoch sind bildgebende Ultraschallgeräte, die an Smartphones angeschlossen werden können, für jedermann erhältlich.
Eine weitere zukunftsweisende Entwicklung ist die Bildrekonstruktion aus vielfach gestreutem Licht. Menschliches Gewebe ist nicht völlig lichtdicht. Wir merken das, wenn wir eine Taschenlampe mit der Hand abdecken. Allerdings können wir unsere Knochen dabei nicht sehen, weil das Licht im Gewebe zu oft die Richtung wechselt.





