Unser Stoffwechsel wird durch zahlreiche innere und äußere Faktoren beeinflusst: Wie ernähren wir uns, welche Krankheiten haben wir, welche Medikamente nehmen wir und wie viel Sport treiben wir? All dies trägt dazu bei, wie hoch unsere Blutzucker- und Blutfettwerte sind und welche Proteine in unserem Blut vorkommen, etwa um Krankheiten zu bekämpfen oder hormonelle Signale zu übermitteln. Auch unsere genetische Ausstattung spielt dafür eine wichtige Rolle. Wie genau sie allerdings unseren Stoffwechsel beeinflusst, war bislang noch kaum erforscht.
Große Bevölkerungsstudie
Ein Team um Praveen Surendran von der University of Cambridge in Großbritannien hat nun untersucht, welche Bereiche im Genom daran beteiligt sind, unseren individuellen chemischen Fingerabdruck zu prägen. Dazu werteten die Forscher Blutproben von fast 20.000 Menschen aus zwei großen Bevölkerungsstudien aus. Sie bestimmten den Spiegel von Zucker, Fetten, Hormonen und weiteren Proteinen im Blut und setzten diese Ergebnisse in Verbindung zu Variationen im Genom der Probanden.
„Mit unserer Studie kommen wir endlich der genetischen Steuerung unseres Stoffwechsels anhand von vielen Hunderten von kleinen Stoffwechselprodukten auf die Spur“, sagt Co-Autorin Claudia Langenberg von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. „Dadurch verstehen wir jetzt, welche Auswirkungen diese genetischen Unterschiede auf die Entstehung verschiedenster Krankheiten haben, und warum.“ Insgesamt bezogen die Forscher über 900 Stoffwechselprodukte in ihre Analyse ein und entdeckten 330 Regionen im Genom, in denen seltene oder häufige Varianten den Spiegel dieser Stoffwechselprodukte im Blut beeinflussen. „Diese Stoffwechsel-‚Hotspots‘ im Genom haben uns geholfen, besser zu verstehen, welche Gene für die veränderten Mengen der Moleküle im Blut wirklich relevant sind“, so Langenberg.
Gene, Stoffwechsel und Erkrankungen
Die Forscher identifizierten zahlreiche Beispiele dafür, wie Veränderungen des Stoffwechsels das Risiko und den Verlauf bestimmter Erkrankungen beeinflussen. Ist beispielsweise die Blutkonzentration der Aminosäure Homoarginin erhöht, steigt das Risiko für eine chronische Niereninsuffizienz. Homoarginin wird aktuell als Mittel zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen getestet. „Unser Ergebnis unterstreicht die Notwendigkeit, die Nierenfunktion genau zu überwachen, wenn Homoarginin verabreicht wird“, so Surendran und sein Team.





