„Niemand weiss, was Stammzellen sind”, sagt Jürgen Hescheler von der Universität Köln. Es gebe keine eindeutigen Kriterien. Zumindest aber ein Konzept: Stammzellen können sich ewig vermehren und in verschiedene Gewebetypen umwandeln. Das ist für die Praxis allerdings zu schwammig und nur in langwierigen Experimenten bestimmbar. Einfacher und präziser wäre es, wenn man Stammzellen auf Anhieb anhand ihres Genmusters erkennen könnte. Erste Ansätze sind kürzlich gelungen: Das Team um den US-Forscher Douglas Melton verglich die Genaktivität von embryonalen, Hirn- und Blutstammzellen mit Gewebszellen. Sie entdeckten 216 Gene, die in allen Stammzell-Typen aktiv sind, nicht aber in ausgereiften Zellen. Einige dieser Gene kennen Forscher schon: „ Sie sorgen für die Kommunikation mit der Umwelt”, sagt Melton. Am weitesten ist die Forschung bei Blutstammzellen. Anhand einer Liste von Oberflächenmolekülen lassen sich die Blutstammzellen ziemlich zuverlässig aus Knochenmark oder Blut gewinnen. „ Hirnstammzellen kann man dagegen nur daran erkennen, dass sie sich zu allen Hirnzelltypen entwickeln”, sagt der Regensburger Hans-Georg Kuhn. Das Kriterium der Unsterblichkeit lässt sich aber bei allen adulten Stammzellen vom Menschen kaum nachweisen. Der Grund: Forscher können die Zellen nur begrenzt in Kultur halten. Bei Blutstammzellen aus Nabelschnurblut dürfte sich das bald ändern. Durch Zugabe des Wachstumsfaktors Delta-1 vermehrten amerikanische Forscher die Zellen um das Hundertfache. Thomas Noll vom Forschungszentrum Jülich kommt auf ähnliche Werte: Er lässt die Blutstammzellen in kleinen Kollagenkügelchen in einer Art „Mikro-Knochenmark” wachsen. Embryonale Stammzellen wachsen in der Kulturschale scheinbar ewig weiter. Sie sind für Hescheler deshalb die wahren Stammzellen. Bei adulten Stammzellen zweifelt er dagegen am Namen: „Stammzelle sagt sich sehr leicht”, stichelt er, „bei adulten fehlen aber die Belege für den klingenden Namen.”
Marcel Falk





