Um das herauszufinden, haben Forscher des Universitätshospitals Zürich unter Leitung des Gastroenterologen Mark Fox folgendes Experiment gemacht: Sie verabreichten 20 Männern und Frauen zunächst 100 Gramm Weißbrot mit 200 Gramm geschmolzenem Käse, wobei die eine Hälfte der Probanden dazu ein großes Glas Weißwein, die andere hingegen die gleiche Menge Schwarztee trank. Eineinhalb Stunden nach der kalorienreichen Mahlzeit gab es dann für fünf Weinkonsumenten noch einen Kirschschnaps und für alle anderen das gleiche Quantum Wasser. Um herauszufinden, wie zügig die Nahrung verdaut wurde, hatten die Forscher den Käse vor dem Verzehr mit speziellen Kohlenstoff-Atomen (Isotop C-13) markiert. Diese werden beim Verdauungsprozess freigesetzt und mit dem Atem ausgeschieden, worin sie sich mithilfe eines Spektrometers nachweisen lassen. Je zügiger die Nahrungsverwertung vonstatten geht, desto größer ist die abgegebene C-13-Menge.
Das Ergebnis: Die Weinkonsumenten hatten signifikant weniger C-13 im Atem als die Teetrinker, verdauten also deutlich langsamer. Wobei das zusätzliche Glas Hochprozentiges den Verdauungstrakt endgültig auf Schongang stellte, indem es – wie weitere Untersuchungen ergaben – bewirkte, dass der Magen als erste Verdauungsinstanz rund anderthalbmal so viel Zeit benötigte, bis er sich zur Hälfte entleert hatte. Kurz: Je mehr Alkohol man zum oder nach dem Essen zu sich nimmt, desto langsamer geht die Verdauung vonstatten. Und aufs Autofahren muss man obendrein auch noch verzichten.
Einen vorteilhaften Effekt hat der Alkohol laut der Studie jedoch im Hinblick auf eventuelle Abnehmbemühungen. Die Trinker hatten nach dem Mahl deutlich weniger Lust auf Süßes. Kuchen-, Eis- und Pralinenliebhaber, die Gewicht verlieren wollen, sind also nicht schlecht beraten, wenn sie das Mahl mit einem Glas Wein begleiten und hinterher mit einem Schnaps abrunden, auch wenn sie dafür eine längere Verdauung in Kauf nehmen müssen.
Aber woran liegt es, dass Hochprozentiges nach dem Essen den Nahrungsab- und -umbau verzögert? Hierzu Studienleiter Mark Fox: „Der Alkohol entspannt offenbar die Muskeln der Magenwände und hemmt dadurch die Pumpbewegungen der Peristaltik, die den Inhalt vorantreiben. Das führt zwar zu einem wohligen Wärmegefühl im Bauch, sorgt aber auch für eine deutlich verzögerte Magenentleerung.“
Dabei gibt es durchaus etwas, das die Verdauung maßgeblich beschleunigt. Etwas, das nichts kostet, Spaß macht und auch Autofahrern bedingungslos empfohlen werden kann: ein ausgedehnter Spaziergang nach dem Essen. Das ist das Resultat einer Studie italienischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2013. Offenbar fördert die Bewegung die Peristaltik in Magen und Darm und sorgt so dafür, dass das Verspeiste schneller durch die Verdauungsorgane befördert wird.





