So tot wie der Mond scheinen nur wenige Himmelskörper des Sonnensystems zu sein ? doch der erste Eindruck täuscht: In 107 Beobachtungsstunden seit November 2005 entdeckten Forscher um Bill Cooke vom Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama immerhin 20 Meteoriteneinschläge auf dem Mond. Während die Forscher ihre zwei 36-Zentimeter-Teleskope auf die Nachtseite des Erdtrabanten richteten, erblickten sie außerdem 60 Satelliten, ein Flugzeug und eine Sternschnuppe.
Die Mondbeschau hat einen ernsten Hintergrund: Im Gegensatz zur Erde, in deren Atmosphäre die meisten Meteoriten verglühen, ist der Mond vor dem kosmischen Steinschlag nicht geschützt. Die Beobachtungen von Cooke und seinen Kollegen dienen daher dazu, das Risiko für zukünftige Astronauten oder auch Roboter abzuschätzen. Die Erde fängt immerhin 33 Tonnen Weltraumstaub pro Tag ein.
Bisherige Abschätzungen für den Mond lassen vermuten, dass immerhin 260 Meteoriten mit einer Masse von einem Kilo und mehr pro Jahr auf dem Mond einschlagen. Die bisherige Datenbasis ist allerdings so spärlich, dass erhebliche Abweichungen von dieser Zahl möglich sind. Die Geschwindigkeiten dieser kosmischen Klumpen sind jedenfalls beträchtlich: Sie liegen zwischen 7.200 und 250.000 Kilometern pro Stunde.
Unter den 20 Meteoriten, die Cooke und seine Kollegen anhand eines Lichtblitzes identifizieren konnten, stammte die Hälfte von bekannten Meteorschauern wie etwa den Leoniden oder den Perseiden. Die anderen waren zufällige Irrläufer. Während ein Meteorschauer auf der Erde vor allem ein spektakuläres Himmelsschauspiel verspricht, ist es auf dem Mond ein Bombenhagel mit Hochgeschwindigkeitsprojektilen. Um das Risiko genau zu erfassen, berechnen die Nasa-Forscher nun aus den Lichtsignalen beim Aufprall die kinetische Energie der Meteoriten. Später könnten auch die entstandenen Krater vermessen werden, um weitere Details zu erfassen.
Ute Kehse





