Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weiterhin aus, mehr als 85.000 Menschen weltweit wurden bislang diagnostiziert. Auch in Deutschland sind in den letzten Tagen mehrere neue Fälle aufgetreten. Noch wird versucht, eine weitere Ausbreitung einzudämmen – unter anderem durch Quarantäne von Verdachtsfällen und das Aufspüren möglicher Kontaktpersonen. Doch Epidemiologen rechnen damit, dass sich das Virus auch bei uns weiter ausbreiten wird. Nach bisherigen Erkenntnissen verläuft eine Infektion mit Sars-CoV-2 in rund 80 Prozent der Fälle zwar mild und erzeugt nur leichte grippeähnliche Symptome. Rund 14 Prozent der Covid-Patienten müssen jedoch wegen Atemnot und Lungenentzündung behandelt werden, weitere sechs Prozent benötigen intensivmedizinische Hilfe wie beispielsweise Beatmung. Vor allem bei Patienten mit Vorerkrankungen kann Covid-19 tödlich enden.
Wie manifestiert sich die Infektion in der Lunge?
Ein erschwerender Faktor für die Eindämmung der Epidemie ist die relativ leichte Übertragbarkeit des Coronavirus durch Tröpfcheninfektion und die Tatsache, dass Infizierte schon während der Inkubationszeit – bevor sie selbst Symptome entwickeln – ansteckend sind. Warum dies bei Sars-CoV-2 der Fall ist und was im Körper der Infizierten vor Auftreten der ersten Symptome passiert, war jedoch bislang unklar. “Zwar hat es mehrere Studien gegeben, die klinische Merkmale und radiologische Befunde beschreiben, aber es hat bisher keine pathologischen Studien auf Basis von Autopsien oder Biopsien gegeben”, erklären Sufang Tian vom Zhongnan Hospital in Wuhan und seine Kollegen. Die Gründe dafür seien vor allem das schnelle Voranschreiten der Epidemie und die schiere Überlastung der Krankenhäuser in den Ausbruchsgebieten. Und selbst wenn solche Untersuchungen durchgeführt werden, können sie meist nur das späte Krankheitsstadium erfassen – die Phase, in der die Patienten schwere Symptome zeigen oder sogar an Covid gestorben sind.
Doch durch einen glücklichen Zufall sind Tian und sein Team an Lungenproben gelangt, die erstmals das Frühstadium der Covid-Krankheit enthüllen. Die Lungenteile stammen von zwei Patienten, denen wegen eines Tumors Teile ihrer Lungen entfernt worden waren. Zum Zeitpunkt dieser Operationen schienen beide Patienten noch gesund und infektionsfrei, wie die Forscher berichten. Sie zeigten weder Fieber noch Atemwegssymptome. Erst mehrere Tage nach der Lungenoperation entwickelten beide Patienten erste Anzeichen einer Infektion und wurden auf das Coronavirus getestet – mit positivem Ergebnis. Daraufhin unterzogen die Wissenschaftler die zuvor entnommenen Lungenteile einer gründlichen Untersuchung. “Unseres Wissens nach sind dies die ersten Pathologiedaten für die Sars-CoV-2 Lungenentzündung”, berichten sie. “Dank dieses seltenen Zufalls verfügen wir nun über die einzige Beschreibung der frühen Phase der Covid-19.”





