Zecken beißen Menschen oder Tiere, um an ihr Blut und die darin enthaltenen Nährstoffe zu gelangen. Dabei können die winzigen Spinnentiere eine Reihe von Bakterien, Viren und andere Pathogene übertragen und teils schwere Krankheiten wie Lyme-Borreliose, Rocky-Mountain-Fleckfieber und Anaplasmose auslösen. Diese Krankheiten können mit neurologischen Problemen, Gelenkschmerzen oder anderen schweren Beschwerden einhergehen. Unbehandelt können sie sogar tödlich sein. Für die öffentliche Gesundheit ist es daher wichtig, die Zahl der Zeckenbisse und dadurch übertragene Erkrankungen zu senken.
Wie wichtig sind die bakteriellen Symbiosepartner?
Ein Team um Balasubramanian Cibichakravarthy von der Hebräischen Universität Jerusalem in Rehovot hat daher nun nach Angriffspunkten gesucht, um die Fortpflanzung oder das Überleben von Zecken zu unterbinden. Die Tiermediziner analysierten dafür das Zusammenspiel der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) und der in ihrem Körper lebenden Coxiella-ähnlichen Bakterien. Diese Symbiosepartner kommen bei der Hundezecke vor allem in deren Eierstöcken und den Malpighischen Gefäßen – den „Nieren“ der Spinnentiere – vor. Sie produzieren und versorgen die Zecken bekanntermaßen mit B-Vitaminen, die im tierischen Blut nicht in ausreichender Menge vorkommen. Cibichakravarthy und seine Kollegen untersuchten nun, ob die bakteriellen Helfer die Zecken darüber hinaus auch mit weiteren, überlebenswichtigen Nährstoffen wie Aminosäuren versorgen. Dafür verglichen sie den Stoffwechsel und die Entwicklung weiblicher Zecken mit und ohne symbiotischen Helfern in ihrem Körper.
Tatsächlich zeigte sich, dass die Zecken von ihren Symbiosepartnern neben B-Vitaminen auch die Aminosäure L-Prolin erhalten. Die Bakterien wandelten dafür L-Ornithin in L-Prolin um. Zudem pflanzten sich die Zecken stärker fort, wenn ihnen diese Nährstoffe zur Verfügung standen, wie die Tests ergaben. Die Versorgung durch die bakteriellen Helfer ist demnach für die Zecken wahrscheinlich überlebenswichtig, besonders in energieintensiven Lebensphasen wie der Reproduktion, schließen die Mediziner daraus. „Diese Studie unterstreicht die Bedeutung von Nahrungssymbionten für die Gesundheit und Fortpflanzung von Zecken“, sagt Seniorautorin Yuval Gottlieb, ebenfalls von der Hebräischen Universität Jerusalem.
Bessere Zeckenkontrolle erhofft
Wofür genau die Zecken die Vitamine und das L-Prolin benötigen, müssen Folgestudien klären. Die Aminosäure könnte als direkte Energiequelle dienen oder spezifische Stoffwechselfunktionen regulieren, vermuten Cibichakravarthy und seine Kollegen. Manchen Wasserflöhen und Essigfliegen hilft L-Prolin beispielsweise beim Umgang mit Hitzestress. Das könnte auch bei Zecken der Fall sein.





