Nun gibt es Atome, die in unterschiedlichen Varianten – sogenannten Isotopen – vorkommen. Von diesen Isotopen, die sich geringfügig im Aufbau ihres Kerns unterscheiden, sind oft nur eines oder zwei radioaktiv, während die anderen stabil sind. So ist es auch beim Kohlenstoff, der bekanntlich in sämtlichen Lebewesen vorkommt. Die kosmische Strahlung bewirkt nämlich, dass sich immer ein winziger Teil der in der Atmosphäre enthaltenen Atome in ein Isotop umwandelt, das Chemiker Kohlenstoff-14 (C 14) nennen (wegen zwei im Vergleich zum „normalen“ Kohlenstoff-12 überschüssiger Neutronen im Atomkern). Das betrifft zwar nur ein einziges Atom von 750 Milliarden, ist aber messbar.
Und so enthält auch das Kohlendioxid in der Luft, das Pflanzen bei der Photosynthese zur Produktion organischer Substanz verbrauchen, Kohlenstoff-14. Was wiederum zur Folge hat, dass auch der Zucker, das Protein oder das Öl, das die Pflanze bildet, nicht frei davon ist. Wenn sich nun ein Tier die Pflanze einverleibt, nimmt es damit zwangsläufig das radioaktive Isotop auf. Und das gilt natürlich auch für ein weiteres Tier (oder einen Menschen), das entweder direkt pflanzliche oder – gleichsam über einen Umweg – tierische Nahrung zu sich nimmt.
Deshalb ist tatsächlich jede Pflanze, jedes Tier und selbstverständlich auch jeder Mensch radioaktiv und sendet fortwährend Strahlung aus, wenn auch in sehr geringem Umfang. Dabei zerfällt der Kohlenstoff-14 mit konstanter Rate, was bedeutet, dass nach einer gewissen Zeit nur noch die Hälfte vorhanden ist. Diese sogenannte Halbwertszeit beträgt beim Kohlenstoff-14 stolze 5730 Jahre. Nach 11.460 Jahren ist also nur noch ein Viertel vorhanden, nach weiteren 5730 Jahren ein Achtel und so weiter. Das gilt allerdings nur, sofern das Lebewesen nicht ständig neue radioaktive Isotope zu sich nimmt, also erst, nachdem es gestorben ist.
In den 1950er-Jahren kam der Wissenschaftler Willard Libby von der University of Chicago auf die geniale Idee, den gleichmäßigen Zerfall des Kohlenstoff-14-Isotops zu nutzen, um damit das Alter von Fossilien zu bestimmen. Denn mit dem Tod eines Lebewesens verschiebt sich das Verhältnis Kohlenstoff-12 zu Kohlenstoff-14 zwangsläufig immer mehr zugunsten des nicht radioaktiven Isotops. Und daraus lässt sich mit großer Präzision das Alter einer gefundenen Pflanze, einer Mumie oder eines tierischen Knochens bestimmen. Man nennt das Verfahren „Radiokarbon-Methode“.
Kohlenstoff-14 macht uns Menschen also nicht nur ein klein wenig radioaktiv, sondern ermöglicht auch späteren Generationen, die dereinst irgendwelche Überreste von uns finden, eindeutig zu bestimmen, wann wir gelebt haben.





