Dass man am Weg von einem Zimmer ins andere vergisst, was man eigentlich wollte, kennen Sie bestimmt. Falls Sie dafür schon immer einen Namen haben wollten, können wir gleich mehrere anbieten. Der uneleganteste wäre Standortaktualisierungseffekt. Klingt wie die Anpassung der Kurtaxe an die Inflation im Rechenschaftsbericht eines Gemeinderates. Damit kann man auf Partys eher nicht punkten. Doorway-Effekt ist deutlich besser. Und fast noch besser ist Event-Horizon-Effekt.
Apropos, was sagen Sie denn zum Bild von unserem Schwarzen Loch? Was, welchem unserem? Dem im Zentrum der Milchstraße! Schaut zwar ein bisschen aus wie ein brennender Kornkreis von oben aufgenommen mit der Wärmebildkamera, aber dass wir das noch erleben dürfen, dass man ein Schwarzes Loch sehen kann, wer hätte das gedacht.
Was? Äh. Keine Ahnung, wovon wir vorher gesprochen haben. Moment, ich schau kurz rauf auf der Seite. Ah ja, Doorway-Effekt.
Wobei das doch ein bisschen irreführend ist. Denn zur Herstellung des Effektes sind gar keine Türen vonnöten, denselben Effekt kann man auch sitzend beobachten. Wenn man zum Beispiel gerade am Computer übers Vergessen schreibt, wenn man in ein anderes Zimmer geht – dabei zwischendurch auf die Idee kommt, schnell noch etwas zu recherchieren, dafür das Browserfenster wieder maximiert, dadurch sieht, dass der illegal runtergeladene Film inzwischen vollständig ist und man die Torrent-Datei und den Film aus der Bibliothek entfernen sollte, damit man sich nicht durchs Verteilen noch strafbarer macht, wobei es den Komparativ von strafbar gar nicht gibt – schließlich doch beim Browser landet, der leider ein paar erstklassige Clickbaits im Angebot hat, die aber eine Flut von Pop-up Fenstern nach sich ziehen, da man nach der letzten Neuinstallation, weil der Browser so oft abgestürzt war, vergessen hat, den Ad-Blocker wieder zu aktivieren. So, endlich alle überflüssigen Fenster geschlossen – aber wonach wollte ich denn eigentlich schauen …?
In so einem Fall hilft es tatsächlich auch, wieder zum Anfang des Textes zu wechseln, und ganz ohne dass man durch Türen gehen musste, kann man sich plötzlich wieder erinnern: „Genau, ich wollte noch etwas holen, um mit den Feierlichkeiten zur 40. Kolumne beginnen zu können.“
Das Gehirn verortet Information
Was wir wissen, hängt unter anderem davon ab, wo wir sind. Man nennt das auch situiertes Gedächtnis, denn eigentlich vergessen wir Dinge nicht, sondern wir verändern vor allem die Abrufbereitschaft der Inhalte.
Was in unserem Gehirn im Arbeitsspeicher bereitgehalten wird, sind idealerweise Sachen, die wir unmittelbar brauchen und nicht irgendwelche Ansammlungen unnützen Wissens. Wenn Sie über die Straße gehen wollen, weil die Ampel gerade auf grün geschaltet hat, dann ist es aktuell für Sie nicht wichtig, dass in der Regel Punktrechnung vor Strichrechnung kommt.





