Übergewicht führt auf Dauer zu einer Verfettung der Leber. Das geht mit massiven Entzündungen einher, wodurch sich mit der Zeit lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Fibrose oder Tumore entwickeln können. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die sogenannten Kupffer-Zellen daran beteiligt sind, wenn Erwachsene infolge einer ungesunden Lebensweise Lebererkrankungen wie eine Fettleber entwickeln. Diese Zellen „wohnen“ in der Leber und gehören zu den Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems. Sie entsorgen Krankheitserreger sowie alte Leber- und Blutzellen.
„Die Kupffer-Zellen übernehmen aber auch die Rolle eines Dirigenten“, erklärt Elvira Mass von der Universität Bonn. „Sie instruieren die Leberzellen um sie herum, was diese zu tun haben. Sie sorgen so dafür, dass dieses zentrale Stoffwechsel-Organ seine vielfältigen Aufgaben korrekt erfüllen kann.“ So helfen diese Zellen beispielsweise bei der Blutbildung oder eben beim Fettstoffwechsel. Bekannt ist zudem, dass die Kupffer-Zellen bereits während der Schwangerschaft aus dem Dottersack in die Leber des Embryos wandern, dann dortbleiben und sich an ihre leberspezifischen Aufgaben anpassen. Unklar war aber bislang, wie sich der Lebensstil und Stoffwechsel der Mutter auf die Entwicklung der embryonalen Leberfunktionen auswirkt.

Fettleber durch Umprogrammierung während der Schwangerschaft
Das haben nun Forschende um Mass und ihren Kollegen Hao Huang anhand von Mäusen untersucht. „Wir konnten zeigen, dass die Nachkommen übergewichtiger Muttertiere häufig kurz nach der Geburt eine Fettleber entwickelten“, erläutert Huang. „Und zwar selbst dann, wenn sich die Jungtiere ganz normal ernährten.“ Um herauszufinden, warum das so ist und was auf molekularer und genetischer Ebene in der Leber der Embryonen passiert, führten die Forschenden eine Reihe von Experimenten durch.
Dabei stellte das Team fest: Die Kupffer-Zellen der Jungtiere schütteten spezielle Signalmoleküle aus, sogenannte Apolipoproteine, woraufhin die umliegenden Leberzellen vermehrt Lipide aufnahmen und sich eine Fettleber entwickelte. Huang und seine Kollegen schlossen daraus, dass die Fettleibigkeit der Mutter die Dirigenten-Funktion der Kupffer-Zellen verändert und diese gewissermaßen umprogrammiert hatte. Aber wie genau passiert das?






