Viele Naturkonstanten in unserem Universum scheinen auf die Entstehung von Leben hin maßgeschneidert zu sein. Einige Vertreter des “Anthropischen Prinzips” argumentieren deshalb, dass die Werte der Naturkonstanten durch die Existenz von intelligenten Beobachtern eingeschränkt werden. Über eine Konferenz zu diesem Thema, die vom 30. August bis zum 1. September im britischen Cambridge stattfand, berichtet Bernard Carr von der Universität London auf der Web-Seite des Institute of Physics.
Die Entstehung von Leben hängt von mannigfachen Voraussetzungen ab. Beispielsweise ist Leben wie wir es kennen ohne die Existenz von Planeten, Sternen und Galaxien nicht denkbar. Die Entstehung von Sternen hängt wiederum von einer fein abgestimmten Beziehung zwischen den drei “Kopplungskonstanten” der Gravitation, der schwachen Kernkraft und der elektromagnetischen Kraft ab. Die Kopplungskonstanten bestimmen die Stärken dieser Kräfte.
Wäre nur eine dieser Konstanten ein wenig größer oder kleiner, dann hätten in unserem Universum keine Sterne und folglich auch kein Leben entstehen können. Manche Vertreter des Anthropischen Prinzips schließen aus diesem ungeheuren Zufall auf die Existenz eines Schöpfers, der das Universum für uns maßgeschneidert hat.
Andere Kosmologen glauben, dass hinter diesem “Zufall” in Wirklichkeit bisher unentdeckte Gesetzmäßigkeiten stecken. Eine vereinheitlichte Theorie der Naturkräfte könnte eine Beziehung zwischen diesen Kopplungskonstanten aufdecken, die genau der beobachteten Feinabstimmung entspricht. Kandidaten für solch eine Vereinigung sind die Superstring-Theorie und die M-Theorie. Vor allem von der letzteren erhofft man sich die Vorhersage aller fundamentalen Naturkonstanten.
Einen anderen Weg beschreiten die Quantenkosmologen. Andrei Linde vertritt beispielsweise die Theorie des “ewigen, sich selbst reproduzierenden Universums”. In seiner Theorie entstehen fortwährend neue Universen. In jedem dieser Universen haben die Naturkonstanten andere, zufällig eingestellte Werte. Dass darunter auch mindestens ein Universum, nämlich unseres, ist, das exakt die für die Entstehung von Leben notwendigen Werte besitzt, bedarf dann keiner Erklärung mehr.
Noch einen Schritt weiter geht Richard Gott. Er knüpft an Lindes Theorie an, will jedoch gleichzeitig auch die Entstehung des Universums erklären. Er geht zunächst von der Existenz eines Universums aus, das wie das Universum in Lindes Theorie unzählige Tochteruniversen mit verschieden eingestellten Naturkonstanten produziert. Unter diesen Tochteruniversen ist dann auch mindestens eines, das exakt die gleichen Eigenschaften wie das Mutteruniversum hat. Wenn dieses eine Universum nun zusätzlich in einer Zeitschleife gefangen wäre ? wie man sie aus dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier” kennt, dann wäre dieses eine Tochteruniversum das Mutteruniversum selbst und würde sich fortwährend selbst “gebären”. Die Existenz von Zeitschleifen wird von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie nicht ausgeschlossen.
Axel Tillemans





