Rund 80 Prozent aller Brustkrebs-Patientinnen leiden unter einem Östrogen-Rezeptor-positiven Brustkrebs (ER+). Dabei tragen die Krebszellen Andockstellen für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen auf ihrer Oberfläche und ihr Wachstum wird durch die Präsenz des Hormons gefördert. Bei dieser Krebsart ist der Primärtumor zwar meist besser behandelbar als bei der negativen Variante. Doch dafür sind die Spätfolgen besonders tückisch: Gestreute Krebszellen dieses Tumortyps können oft jahrelang in einem Ruhezustand im Körper überdauern und als “Schläfer” selbst aggressiven Chemotherapien widerstehen. Erst Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der scheinbar erfolgreichen Krebsbehandlung “wachen” diese Brustkrebszellen dann wieder auf und erzeugen dann Metastasen in Lunge, Leber, Knochen und anderen Organen. Diese Brustkrebs-Metastasen sind dann zwar behandelbar, indem man versucht, ihr Wachstum einzudämmen. Beseitigen lassen sie sich aber nicht mehr.
Spurensuche bei krebskranken Mäusen
Was zum Wiederaufwachen der schlafenden gestreuten Krebszellen führt, ist jedoch bisher weitgehend ungeklärt. Ähnlich wie anderen Krebsmetastasen gehen Onkologen aber davon aus, dass die Mikroumgebung dieser Zellen eine entscheidende Rolle spielt – das Umfeld, in dem sich die gestreuten Brustkrebszellen eingenistet haben. So können bestimmte Botenstoffe, Stressfaktoren oder Stoffwechseleinflüsse dazu beitragen, das Wachstum von Metastasen zu fördern. Einem weiteren Einflussfaktor ist ein Forschungsteam um Frances Turrell vom Institute of Cancer Research in London nachgegangen. Schon in früheren Studien gab es Hinweise darauf, dass bestimmte Signalmoleküle im Blut älterer Krebspatienten die Metastasenbildung begünstigen und die gestreuten Krebszellen aggressiver machen können. Turrell und ihr Team haben daher untersucht, ob möglicherweise auch das Wiedererwachen der gestreuten Brustkrebszellen durch ein solches Molekül beeinflusst wird.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler Mäuse verschiedenen Alters, bei denen sie Östrogenrezeptor-positiven Brustkrebs ausgelöst hatten. Bei allen Mäusen hatten daraufhin Brustkrebszellen vom primären Tumor in andere Körperregionen gestreut, darunter in Lunge und Leber. Die Untersuchungen ergaben jedoch, dass sich die gestreuten Krebszellen bei den jungen Mäusen nur zu einem sehr geringen Prozentsatz vermehrten und Metastasen bildeten. Bei den älteren Mäusen wuchsen die Brustkrebszellen dagegen meist zu großen Sekundärtumoren heran. “Die älteren Tiere hatten eine größere Zahl und weitere Verbreitung von Metastasen mit meist prominenten Läsionen im Lungenparenchym”, berichten die Forschenden. Auch bei schon vorgeschädigtem, vernarbtem Lungengewebe war dies der Fall.





