Dank der Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 hat die Corona-Pandemie einen großen Teil ihres Schreckens verloren. Denn die Impfungen wappnen unser Immunsystem gegen das Coronavirus und verhindern so die meisten schwere Verläufe von Covid-19. Allerdings kann es in seltenen Fällen auch zu Nebenwirkungen der Impfung kommen. Bei den Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson sorgten Anfang 2021 vor allem die gefährlichen Sinusvenenthrombosen für Aufsehen und führten letztlich dazu, dass diese Impfstoffe heute kaum mehr eingesetzt werden. Bei den mRNA-Impfstoffen fallen die Nebenwirkungen weniger schwerwiegend aus. In sehr seltenen Fällen kann die Impfung aber vor allem bei jungen Männern in etwa einem bis zehn Fällen von 100.000 zu einer Herzmuskelentzündung führen. Anders als die deutlich häufiger auftretende Myokarditis nach Covid-19 oder anderen Virusinfektionen verläuft diese “Impf-Myokarditis” aber meist mild.
Autoantikörper gegen einen Entzündungshemmer
Warum diese impfbedingte Myokarditis auftritt und welcher Mechanismus dahintersteckt, dazu haben nun Lorenz Thurner vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg und seine Kollegen Neues herausgefunden. Für ihre Studie hatten sie 40 Patienten zwischen 14 und 79 Jahren mit einer durch Biopsie bestätigten Myokarditis nach einer Sars-CoV-2-Impfung immunologisch untersucht. Diese Daten verglichen sie mit denen von 214 geimpften gesunden Vergleichspersonen sowie 125 Patienten mit einer Myokarditis anderer Ursachen. Dabei suchten die Forschenden vor allem nach einem speziellen Autoantikörper, der schon zuvor vermehrt bei Patienten mit schwerem Verlauf von Covid-19 und bei Kindern mit dem Multisystemischen Entzündungssyndrom (MIS-C) nachgewiesen worden war. Bei MIS-C, auch als PIMS – „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ – bekannt, handelt es sich um eine schwere körperweite Entzündung, die einige Wochen nach der akuten Coronavirus-Infektion auftreten kann.
Die Analysen ergaben, dass die in diesen Fällen häufig auftretenden Autoantikörper auch im Blut der Impflinge mit Myokarditis vorkamen. Bei 75 Prozent der unter 21-jährigen Patienten enthielt das Blut Autoantikörper gegen einen zentralen körpereigenen Entzündungshemmer namens Interleukin-1-Rezepetor-Antagonist (IL-Ra). Bei IL-Ra handelt es sich um ein Molekül, das die Andockstellen des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-1 auf der Oberfläche der Zellen blockiert und so überschießende entzündliche Immunreaktionen stoppen kann. “Gerade bezüglich Entzündungen an Herzbeutel, Herzmuskel sowie Gefäßen wissen wir bereits um die zentrale Bedeutung von Interleukin-1”, erklärt Co-Autor Christoph Kessel vom Universitätsklinikum Münster. “Unser Immunsystem reguliert sich jedoch normalerweise selbst und gerade hochpotente Interleukine haben natürliche Gegenspieler.” Doch bei zumindest einem Teil der Patienten mit impfbedingter Myokarditis bekämpft das eigene Immunsystem offenbar irrtümlich diese wichtigen Gegenspieler und fördert so Entzündungen.





