Jeder hat das wohl schon einmal erlebt: Drückt etwas abrupt und heftig auf ein Auge – es muss ja nicht gleich ein Faustschlag sein –, erscheinen im Sichtfeld grelle Lichtblitze, die tatsächlich Sternchen ähneln. Was hat es damit auf sich?
Die Sinneszellen in der Netzhaut des Auges sind so konstruiert, dass sie normalerweise nur auf einen ganz bestimmten Reiz, nämlich Licht, reagieren. Die spezielle Reizform – beim Ohr sind es Schallwellen, bei der Nase Geruchspartikel und beim Temperaturempfinden der Haut Wärme und Kälte – bezeichnet man als adäquat für das jeweilige Sinnesorgan. Oder anders ausgedrückt: Der für die Rezeptoren eines Sinnesorgans adäquate Reiz ist derjenige, für den sie die höchste Empfindlichkeit besitzen. Ihn filtern sie aus der Flut der Umwelteinflüsse heraus, wandeln ihn physikalisch um und leiten ihn zum Gehirn, wo er dann in die entsprechende Empfindung „übersetzt“ wird. Nun kann aber grundsätzlich auch ein anderer – inadäquater – Reiz, etwa ein plötzlicher Druckanstieg, die Sinneszellen erregen, vorausgesetzt, er ist intensiv genug. Dann löst er ebenfalls die typische Reaktion aus, und das sind bei den Augen – abgesehen von der Schmerzempfindung – grelle Lichtblitze, eben „Sternchen“. Wenn die auch bei Weitem nicht so hübsch anzusehen sind wie bei den verprügelten Römern.
Etwas ganz anderes sind die Sternchen, die wir hin und wieder ohne äußere Gewalteinwirkung sehen, etwa wenn wir nach einem kurzen Nickerchen auf der Couch zu schnell aufstehen. Dabei kann einem sogar ein wenig schwindelig sein. Ursache ist ein plötzlicher Blutdruckabfall, da beim abrupten Lagewechsel Blut in die Beine sackt, das dann im Kopfbereich und damit auch in Gehirn und Augen fehlt. Normalerweise gleicht das Kreislaufkontrollzentrum das blitzschnell aus, indem es Herzfrequenz und Blutdruck erhöht. Erfolgt diese Reaktion aber zu langsam, spricht man von einer „orthostatischen Dysregulation“. Dann reagiert die unzureichend durchblutete und daher mit zu wenig Sauerstoff versorgte Netzhaut des Auges mit kleinen Lichtblitzen, die durch das Sehfeld zucken: den Sternchen.
Hält der Sauerstoffmangel länger an, können die Sehzellen sogar vorübergehend ihre Arbeit einstellen, das heißt, sie leiten für kurze Zeit keine Reize mehr an das Gehirn weiter. Dann wird einem schwarz vor Augen. Das ist normalerweise kein Grund zur Beunruhigung und hört auf, sobald die Netzhaut wieder ausreichend von Blut durchströmt wird.





