Um den Antisemitismus der NS-Zeit zu begreifen, geht Aly, und dies ist nichts Neues, ins Kaiserreich zurück und sucht den Grund für den grassierenden Rassenhass im sozialen Bereich. Seine These: Antisemitismus entstand bei einem Großteil der Bevölkerung nicht wegen einer von außen herangetragenen Ideologie, sondern aus purem Neid auf die besseren Lebensbedingungen von Juden. Diese hatten von der liberalisierten Gesetzgebung des Kaiserreichs profitiert und in vielen Fällen einen Aufstieg durch Bildung geschafft. Sie waren damit, so Aly, die eigentlichen Modernisierungsgewinner des 19. Jahrhunderts. Auf diese sozialen Veränderungen hätten die Nicht-Juden mit rüdem Antisemitismus reagiert. Dabei sei kaum eine politische Richtung (außer die der Liberalen) ausgenommen, auch nicht die Sozialdemokratie, wie Aly zum Beispiel an antisemitischen Äußerungen Franz Mehrings nachweisen kann.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger




