Der Herbst ist da und mit ihm rollt die nächste Grippewelle an. Für diese Infektionserkrankung verantwortlich sind Influenzaviren, die vor allem für ältere Menschen gefährlich werden können. Sie entwickeln häufiger einen schweren Krankheitsverlauf und landen öfter mit Grippe im Krankenhaus als Jüngere. Eine Grippeimpfung empfiehlt das Robert-Koch-Institut daher insbesondere ab 60 Jahren.
Für Menschen dieser Altersgruppe gibt es zudem besondere Grippeimpfstoffe, die höher dosiert sind als bei der Standard-Grippeimpfung, sogenannte Hochdosis-Vakzine. Diese sind nötig, weil das Immunsystem älterer Menschen auf die Standard-Grippeimpfstoffe nicht immer ausreichend gut anspricht. „Mit dem Alter kann das Immunsystem offensichtlich nicht mehr so eine schlagkräftige Immunantwort aufbauen“, erklärt Seniorautorin Yang Li vom Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM) in Hannover. Doch warum ist das so und warum gilt das nicht für alle Älteren?
Blutmarker nach Grippeimpfung im Vergleich
Welche molekularen Prozesse hinter der verminderten Immunantwort bei Älteren stecken, hat nun ein Team um Li und Erstautorin Saumya Kumar vom CiiM untersucht. Dafür impften die Forschenden in einer Studie 234 Teilnehmer über 65 Jahren gegen Grippe. Zusätzlich entnahmen sie den Probanden zu fünf unterschiedlichen Zeitpunkten vor und nach der Impfung Blut ab und untersuchten dieses auf zahlreiche Immunmarker. Die Gesundheitsdaten wertete das Team mit Computermodellen statistisch aus und verglich die Werte von Menschen mit guter und schlechter Immunantwort – sogenannte Responder und Low- oder Non-Responder.
Die Analyse identifizierte so mehrere Schlüsselmoleküle im Blut, darunter verschiedene Rezeptoren und Botenstoffe, die bei der Grippeimpfung für eine starke Immunantwort in Form von Antikörpern gegen Influenzaviren sorgen. Bei den Non-Respondern waren diese Moleküle in deutlich geringeren Mengen im Blut vorhanden als bei Respondern. „Wir konnten eine ganze Reihe wichtiger Moleküle ausmachen, die nach der Impfung mit der guten Immunantwort von Respondern korrelierten. Bei den Non-Respondern waren sie dagegen reduziert oder aber gar nicht vorhanden“, erklärt Kumar.
Die Non-Responder wiesen darüber hinaus auch eine erhöhte Zahl natürlicher Killerzellen im Blut auf. Menschen, die nach einer Impfung nur einen geringen Immunschutz entwickeln, haben demnach weniger der notwendigen Signalmoleküle und zugleich mehr „störende“ Immunzellen im Blut. Das spricht für eine systemische Dysregulation, also umfassende Fehlfunktion des Immunsystems, wie das Team berichtet.
Lässt sich die Immunantwort vorhersagen?
Doch lässt sich bereits vor der Impfung vorhersagen, wie gut die Immunantwort ausfallen wird? Lässt sich vorab prüfen, wer überhaupt einen Hochdosis-Impfstoff braucht? Um das herauszufinden, verglichen die Mediziner die Blutproben, die vor und nach der Impfung genommen wurden. Und tatsächlich zeigten sich auch hier Unterschiede: „Die späteren Non-Responder wiesen vor der Impfung erhöhte Werte von Interleukin-15 auf“, berichtet Li. Nachfolgende Experimente mit Mäusen legten nahe, dass dieser Botenstoff einen effektiven Immunschutz verhindert. „Interleukin-15 ist offensichtlich für die ausbleibende Immunantwort verantwortlich und könnte sich daher gut als Vorhersage-Biomarker eignen“, sagt Li. Darüber hinaus fanden die Mediziner im Blut der Non-Responder noch einen weiteren Unterschied: deutlich geringere Konzentrationen langkettiger Fettsäuren. „Bestimmte langkettige Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen insgesamt die Entwicklung einer guten Immunantwort“, erklärt Kumar.





