Experten schütteln befremdet den Kopf, der Stuttgarter Sporttraumatologe Gerhard Bauer spricht gar von einer unzumutbaren Dauerbelastung für Gelenke und Wirbelsäule: Die Rede ist von einem „Stiefel”, mit dem man bis zu vier Meter weite Schritte machen kann. Entwickelt hat das skurrile Schuhwerk der Russe Roman Kunikov von der Technischen Universität für Luftfahrt in Ufa. Die Stiefel sind je ein Kilogramm schwer und mit einem kleinen Benzinmotor ausgerüstet. Am Unterschenkel sitzt an jeder Seite der Wade ein 30 Zentimeter langer Kolben. Dieser feuert, sobald ein Fuß den Boden berührt. Dadurch wird eine Metallplatte an der Schuhsohle nach unten und der Träger nach oben geschleudert. Danach ziehen Sprungfedern die Platte wieder zurück. Erste Tests ergaben: Mit den Sieben-Meilen-Stiefeln erreicht man eine Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde – und ist damit schneller als jeder Hundert-Meter-Sprinter. Eine Tankfüllung reicht für etwa 25 Minuten. Kunikov will, daß Hilfskräfte beim Katastropheneinsatz mit seinen Knatter-Stiefeln ausgerüstet werden, um so schneller in schwer begehbarem Gelände voranzukommen. „Sehr problematisch”, sagt Sportarzt Bauer. „Schon beim Joggen müssen Gelenke und Wirbelsäule bis zum dreieinhalbfachen des Körpergewichts abfedern. Bei vier Meter weiten ‚Schritten‘ wäre es mindestens das Fünffache.” Die Rechnung ist einfach: Wer 70 Kilogramm wiegt und hundertmal von den Raketen-Stiefeln in die Luft geschossen wird, belastet seine Knochen mit gewichtigen 35 Tonnen – dem ist auf Dauer selbst ein Arnold Schwarzenegger nicht gewachsen. Der Preis des zweifelhaften Vergnügens mit den Super-Schuhen wären Wirbelsäulenverformungen und Meniskus-Schäden. „Dazu kommt eine hohe Verletzungsgefahr bei der Landung”, fürchtet Bauer. „Und durch Umknicken sind Knöchelbrüche und Bänderrisse programmiert.”
Hans Groth





