Im derzeitigen Konflikt zwischen der Ukraine und Russland wird Geschichte oftmals instrumentalisiert und als „Waffe“ eingesetzt. Es sind vor allem stereotype Vorstellungen von den Ukrainern als Kollaborateuren der Nazis, als „Faschisten“ und Antisemiten, die bis heute sehr wirkmächtig sind. Die Millionen von Opfern, welche die Ukraine im Zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte, sind in der europäischen Erinnerungskultur dagegen weit weniger verankert. Bis heute fehlt es an systematischen Untersuchungen zum Gesamtphänomen der Kollaboration in der Ukraine, die stereotype Vorstellungen revidieren und verlässliche Aussagen liefern könnten. Der Blick auf ein konkretes Beispiel zeigt, wie innerhalb derselben Familie Verfolgungs- und Täterschicksale aufeinandertreffen konnten. Die Jüdin Margarita E. Funt, die mit ihrer Familie 1941 in Donezk wohnte, erlebte den Einmarsch der Deutschen in die Ukraine als sechsjähriges Mädchen. …
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