Seine Darstellung beginnt mit einem Blick auf die Gegebenheiten am Beginn des 18. Jahrhunderts: Bevölkerung und Wirtschaft, Verfassung, politische Lage und Gesellschaft sowie Ansätze für „neues Denken“. Es folgt eine beinahe den doppelten Umfang einnehmende Ereignisgeschichte des Politischen. Auffallend die entscheidende Rolle der Kriege: Die „Deutschen“ (das heißt Schlesischen) Kriege 1740 bis 1763 sind wesentliche Ursache des anschlie-ßenden Reformzeitalters, die Revolutionskriege beenden dann eine spezifisch deutsche Form politischer Kultur.
Freilich ist dieses Urteil vornehmlich dem von Schmidt selbst beklagten Zäsurdenken geschuldet, das 1800 zur „fast unüberwindlichen Schlucht“ macht. Der Verfasser ist hier in das Prokrustesbett der Bandeinteilung gefesselt und dar-um gehindert, seine These von der bis 1830 reichenden ersten Moderne genauer auszuarbeiten. Dann nämlich würden auch die Revolutionskriege eher Reformen als Untergänge sichtbar machen.
Beinahe ebenso viel Platz nimmt der letzte Teil des Buches ein, in dem der titelgebende „Wandel durch Vernunft“ auf den Prüfstand gestellt wird. Am Ende zeigt sich erstens, dass die Aufklärung „mehr als eine Wahrheit“ erzeugte, und zweitens, dass Bevölkerungsdruck, davon ausgelöster wirtschaftlicher Wandel sowie politische Rahmenbedingungen, vor allem der fatale preußisch-österreichische Dualismus, den Wandel entscheidend befördert haben.
Was konventionell klingt, ist in Wahrheit eine kenntnisreiche und klug argumentierende Präsentation, die bemüht ist, das noch immer verkannte 18. Jahrhundert ins rechte Licht zu stellen.
Rezension: Dipper, Christoph




