von BETTINA WURCHE
Schwertwale sind intelligente und soziale Tiere, kooperative Jäger und die größten Raubtiere des Ozeans. Im Südpolarmeer lassen sich vier Typen unterscheiden.
Die großen antarktischen Orcas (Typ A) leben primär von Zwergwalen. Sie hetzen diese, bis sie ermüden, dann beißen sie von der Seite zu und drücken ihr Opfer gleichzeitig unter Wasser. Das Jagdrevier der antarktischen Orcas reicht bis an die chilenische Küste, wo sie auch Seelöwen und Delfine erbeuten.
Die kleineren Packeis-Orcas (Typ B1) jagen mit einer Abfolge mehrerer Techniken vor allem Robben auf Eisschollen: Ein Späher sucht mit hoch erhobenem Kopf (spy hopping) nach passender Beute und ruft dann die Rotte.
Einige Wale schwimmen unter der Eisscholle hindurch, zerbrechen sie und bugsieren dann das Stück Eis mit der Robbe in freies Wasser. Als Nächstes produziert die Walfamilie gemeinsam eine große Bugwelle und spült die Beute vom Eis. Wenn die panische Robbe an der Eiskante Schutz sucht, verwirren die Jäger sie mit einem „Whirlpool“ aus Luftblasen und können sich bald darauf den Happen teilen. Dieser Wechsel verschiedener Taktiken erfordert eine präzise Koordination und viel Übung.
Die Gerlache-Orcas (Typ B2) ähneln B1, leben aber etwas nördlicher in der Gerlache-Straße, wo sie Robben und Pinguine jagen. Dabei lassen sie von Pinguinen oft die Haut mit den schwer verdaulichen Federn übrig, die dann an der Meeresoberfläche treibt.
Die Rossmeer-Schwertwale (Typ C) sind kleiner als die Packeis-Orcas B1. Sie jagen im Südpolarsommer den dort häufigen Antarktischen Seehecht, anschließend ziehen sie weiter nach Norden.
Die seltener beobachteten kleinen subantarktischen Orcas (Typ D) mit dem auffallend kleinen Augenfleck fressen zwischen der Antarktischen Halbinsel und chilenischen Gewässern ebenfalls große Seehechte. Beide Fischfresser-Wale, Typ C und D, bedienen sich gern an den Fangleinen der Fischer: Sobald auf einem Boot die Seilwinde anläuft, erkennen die Orcas das Geräusch, sind zur Stelle und pflücken den Fang von den Haken. Forschungen ergaben, dass die Kulturtechnik, Menschen für sich fischen zu lassen, für eine höhere Überlebensrate des Orca-Nachwuchses sorgt.
Auf die Spur des subantarktischen Orca-Typs D kamen Forscher erst vor wenigen Jahren durch Fischer. Sie hatten den Biologen von Orca-Gruppen berichtet, die unterschiedlich aussehen und nicht miteinander interagieren. Daraufhin kam ein Team um den US-Walexperten Robert Pitman 2019 in die unwirtlichen Gewässer vor Kap Hoorn – zu Beobachtungen, Foto-ID-Bildern, genetischen Proben und Lautaufnahmen von Typ D.





