Alle Fälle im Buch beruhen auf der täglichen klinischen Arbeit des Autors. Seine Erfahrungen hat Kessler stark verfremdet und wie Kurzkrimis aufgebaut: Als Ich-Erzähler trägt er verschiedene Indizien für eine Diagnose zusammen und gerät auch mal auf eine falsche Fährte. Nebenbei erfährt der Leser Wichtiges über Ursachen, Symptome und Verläufe neurologischer Krankheiten.
Kesslers Stärke ist es, klar zu zeigen, wie einschneidend die Diagnose für den Patienten sein kann. Einfühlsam skizziert er zum Beispiel, wie eine junge Frau reagiert, als sie erfährt, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist. Und er wirft wichtige Fragen auf, etwa, wie viel Distanz ein Arzt wahren sollte. Lesenswert ist das Buch daher auch für Ärzte: Es erinnert sie daran, dass eine schlimme Diagnose dem Patienten den Boden unter den Füßen wegziehen kann.
Hanna Drimalla





